Es ist heiß. Es ist sonnig. Seit Tagen schwitzt Deutschland in einer Hitzewelle. Hoch „Hartmut“ macht uns den XXL-Sommer. Wer kann, geht ins Schwimmbad, ins Planschbecken oder packt seine Füße in den Brunnen. Heute gab es 39 Grad. Morgen knacken wir die 40-Grad-Marke!
Wahnsinn: An diesem Freitag könnte die 40-Grad-Marke erstmals in einem Juni in Deutschland geknackt werden, sagt Meteorologe Oliver Reuter von der Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Konkret deutet sich dies vor allem vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet an, dabei sind Höchstwerte von 41 Grad möglich.“ Landesweit werden es 35 bis 39 Grad. Samstag und Sonntag sind örtlich bis zu 41 Grad möglich.
Diplom-Meteorologe Dominik Jung von Wetter.net zu BILD: „Die Luft steht dabei nahezu wie ein Block über Deutschland – kaum Wind, voller Sonnenschein, und die Hitze staut sich von Stunde zu Stunde weiter auf. Der Freitag ist gewissermaßen die Ruhe vor dem Sturm – erst ab dem späten Abend können über dem äußersten Westen die ersten kräftigen Hitzegewitter aufziehen. Die ganz extremen Werte um 41 bis 42 Grad und ein möglicher Allzeitrekord gelten nach aktueller Modellage erst für das Wochenende und eher für den Osten Deutschlands.“
Die bisher höchste gemessene Temperatur an einem Junitag liegt bei 39,6 Grad und wurde am 30. Juni 2019 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) registriert.
BILD im heißesten Ort Deutschlands
Donnerstagmittag in Waghäusel. Der Ortskern wirkt wie leer gefegt. Kaum ein Mensch ist auf der Straße unterwegs. Über dem Asphalt flimmert die Luft. Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel. Wer kann, bleibt im Schatten – nur dort ist die Hitze überhaupt länger auszuhalten.
Waghäusel gilt derzeit als heißeste Stadt in Deutschland. Heute wurden hier 39,0 Grad gemessen. Nirgendwo sonst war es heute in Deutschland heißer.
Vor dem Café „Am Kreuz“ plätschert ein kleiner Brunnen. Mitarbeiterin Ramona Helfinger (52) und ihre Kollegin Zey (24) sitzen in der Pause am Becken und halten ihre Füße ins kühle Wasser. „Das machen wir, wenn es nötig ist, mehrmals am Tag“, erzählt Ramona lachend. „Auch viele Passanten bleiben hier kurz stehen, um sich abzukühlen.“
Den wohl härtesten Job der Stadt hat an diesem Tag Dachdecker Hans Dauerbäck (61). Braungebrannt, schweißnass und trotzdem bestens gelaunt steigt er gerade vom Dach: „Da oben waren heute 54 Grad. Ich habe schon neun Liter Wasser getrunken.“
Warum ist es ausgerechnet hier im Sommer so heiß? Der Deutsche Wetterdienst erklärt das mit der besonderen Lage Waghäusels in der Oberrheinebene. Westwinde strömen über den Pfälzerwald und sinken anschließend ins Rheintal ab. Dabei erwärmt sich die Luft zusätzlich. Aufgeheizte Felder und die dichte Bebauung sorgen dafür, dass die Temperaturen in Waghäusel oft noch weiter steigen.
Die Hitzewelle wird Meteorologen des Reuters Climate Monitor zufolge durch eine sogenannte Omega-Wetterlage verursacht. Ein Hochdruckgebiet hat dabei die Form des griechischen Buchstabens Omega. Es schließt heiße Luft lange über einer Region ein.