Kultur

WDR will Programmangebot mehr als halbieren – alles außerhalb der „Kernzeit“ auf dem Prüfstand

WDR will Programmangebot mehr als halbieren – alles außerhalb der „Kernzeit“ auf dem Prüfstand

Der WDR plant eine umfassende Neuaufstellung seiner Programmangebote. Nach einer internen Analyse wird derzeit das komplette Programm in Fernsehen, Hörfunk und Internet auf seine Zukunftsfähigkeit geprüft. Intendantin Katrin Vernau hatte im April im Rundfunkrat gesagt, der Sender wolle seine Programmangebote bis 2030 von derzeit mehr als 600 auf maximal 300 reduzieren.

Der WDR wolle „digitale Heimat der Menschen im Westen“ werden, sagte Vernau dem Evangelischen Pressedienst: „Das ist unsere Vision im WDR, die uns bei allen Entscheidungen leitet.“ Der Sender müsse für die Menschen „Alltagsbegleiter werden und ihnen auch für die nonlineare Nutzung Formate anbieten, die sie nur bei uns bekommen“.

Um im Digitalen erfolgreicher zu werden, sollen im Jahr 2030 45 Prozent der Ressourcen, also Etat, Personal- und Produktionskapazitäten, in diesem Bereich eingesetzt werden. Im vergangenen Jahr flossen 24 Prozent in digitale Angebote.

Abgebaut wird besonders im linearen Fernsehen. Um dessen Anteil von derzeit 58,1 auf 39 Prozent zu drücken, will sich der WDR auf die Kernzeit der Nutzung zwischen 17 Uhr und 22.15 Uhr konzentrieren. „Alles außerhalb dieser Kernzeit wird in den kommenden Monaten geprüft“, sagte der kommissarische Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, Ingmar Cario.

Programme wie die Nachrichtensendung „WDR Aktuell“, die regionale Informationen bietet, sollen erhalten bleiben. Auch der „Kölner Treff“ am Freitagabend bindet nach Angaben des WDR viele Zuschauer.

Beim linearen Hörfunk soll es ebenfalls Änderungen geben, die allerdings weniger tiefgreifend ausfallen werden. Der Anteil der für „Audio linear“ eingesetzten Programm-Ressourcen soll von derzeit 17,8 Prozent auf 16 Prozent sinken.

Der WDR will mit der umfassenden Umschichtung insbesondere auf dem Markt digitaler regionaler Informationen Boden gegenüber anderen Medienhäusern gutmachen. Dies soll vor allem über „wdr.de“ und die WDR-App geschehen. Die Online-Angebote der „Rheinischen Post“ erreichen nach Angaben des Senders deutlich mehr Nutzer als der WDR.

Fast 400 Angebote sollen eingestellt werden

Wie die Intendantin im April im Rundfunkrat ausführte, sollen von den derzeit mehr als 600 Angeboten im Jahr 2030 nur noch 220 bleiben. 80 neue Angebote sollen hinzukommen. Demnach würden fast 400 derzeit existierende Programmangebote eingestellt. „Mit dem neuen fokussierten Angebot wollen wir den WDR schlanker, schlagkräftiger – und damit schneller und flexibler aufstellen“, sagte Vernau: „Also mehr Kraft in weniger, aber stärkere Angebote geben.“

Die Gesamtzahl von mehr als 600 Programmangeboten auf allen Verbreitungswegen bezieht sich nach Angaben des WDR nicht auf einzelne Sendungen oder Beiträge. Jede Hörfunkwelle werde jeweils als ein Angebot definiert. Im Fernsehen gelte nicht jeder Krimi oder jede Dokumentation als Angebot, sondern Programmreihen und -formate wie die „Aktuelle Stunde“, „Die Story“, „ARD Crime Time“ oder „Der Mittwochsfilm“. Ausnahmen bilden die „Tatorte“: Dort gelten die Schauplätze in Münster, Köln und Dortmund jeweils als eigenes Programmangebot.

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