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Verzweifelte Ladenbesitzer: „Die Randalierer haben unsere Existenz zerstört“

Verzweifelte Ladenbesitzer: „Die Randalierer haben unsere Existenz zerstört“
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Paris – Geplünderte Regale, zerstörte Geschäfte: Für viele Ladenbesitzer in Frankreich endeten die Ausschreitungen am Wochenende in einem Albtraum. Vor allem kleine Händler und Familienbetriebe stehen plötzlich vor den Trümmern ihrer Existenz – obwohl sie mit den Unruhen überhaupt nichts zu tun haben.

In sozialen Netzwerken kursieren herzzerreißende Videos von verzweifelten Ladenbesitzern, die weinend vor ihren geplünderten oder zerstörten Geschäften stehen. Neben Supermärkten sind vor allem auch zahlreiche Besitzer kleinerer Läden betroffen.

„Das war Krieg“, sagt Linda (51) fassungslos zu BILD. Inmitten von Chaos und Zerstörung steht sie in dem Raum, der gestern noch ihre Boutique war und heute ein Trümmerfeld ist. Geblieben ist ihr nichts. „Das ist hier explodiert, so etwas haben wir in zwanzig Jahren nie erlebt. Und Demonstrationen haben wir hier viele gesehen.“ Die Schaufensterscheibe ist zertrümmert; der wütende Mob raubte Pullover, Hosen, Schals, riss Wandverkleidungen ab und plünderte, was man tragen konnte.

Linda zu BILD: „Die Angst wird nach diesem Wochenende bleiben. Am Samstag war ich noch hier und habe den Laden abgeschlossen. Am Sonntag dann habe ich im Fernsehen gesehen, wie die Vermummten über mein Geschäft herfielen. Ich wollte sofort kommen, aber es war zu gefährlich – und ich habe mich nicht getraut.“ Neunzig Prozent ihres Bestandes sind weg, der Schaden – nicht absehbar. Was als Schüler- und Studentenprotest für bessere Lernbedingungen begann, ist in blanken Hass und blinde Zerstörungswut übergegangen.

Wenige Hundert Meter weiter dasselbe Bild, ein anderes Geschäft. Yannick (44) ist Geschäftsführer eines Boxladens. Die Metalljalousie wurde gewaltsam aufgebrochen, anschließend wurden Boxhandschuhe, Hosen, Shirts und Zubehör geplündert. „Es waren zu viele“, sagt der Chef. „Und zu wenig Polizisten. Seit dreißig Jahren haben wir den Laden, wir kennen Demos, aber nicht so eine zerstörerische Gewalt. Das Schlimme ist, auf Social Media wurde vor dieser Eskalation gewarnt. Wir wussten, was passiert. Alle haben das gewusst. Das kam nicht überraschend, aber die Regierung hat alle Warnungen ignoriert.“ Und weiter: „Einige von denen kamen mit Autos, um zu plündern. Können Sie das glauben?“ Sein Fazit: „Die haben einfach keine Angst. Die fackeln Geschäfte ab, die plündern. Die posieren ohne Maske im Internet mit ihrer Beute. Und warum? Weil die wissen, dass ihnen nichts passieren wird.“

Die, das sind die Migranten aus den sozialen Brennpunkten vor den Toren von Paris. „Ja, die Migration ist ein Problem“, sagt Yannick. „Ganz Europa hat dieses Problem. Viel mehr noch ist es aber ein Problem der Erziehung. Man muss seine Kinder anständig erziehen, egal ob in Paris oder den Vororten. Aber diese Generation ist verloren. Was sollen wir mit denen machen?“

Junge Frau fleht Plünderer in Marseille an

In Marseille flehte eine verzweifelte junge Frau Randalierer an, einen Supermarkt nicht zu plündern. „Warum tust du das?“, fragte sie und schrie: „Das hier ist nicht die Ursache!“ Doch die Banden von Unruhestiftern – alles junge, teils vermummte Männer – drängten an ihr vorbei in den verwüsteten Laden. Auf einem Video ist zu sehen, wie die Menge jubelt, als die mit Sturmhauben maskierten Plünderer mit Armen voller Diebesgut das Geschäft verlassen.

Ladenbesitzer zu Boden gestoßen

In Nizza versuchte ein junger Angestellter, den Videospielladen, in dem er arbeitet, zu verteidigen. Plünderer hatten sich dort gewaltsam Zutritt verschafft. Mutig trat er einem Randalierer entgegen und rief dem wütenden Mob etwas zu. Ein Plünderer stieß ihn zu Boden und trat ihm brutal in den Rücken.

Handyladenbesitzer: „Was soll aus mir werden?“

Zerstört ist auch ein Handyladen am Boulevard Magenta in Paris: Betreiber Hassan führt das kleine Geschäft seit 2017. Es sei vollständig geplündert worden. Er beziffert den Schaden auf 70.000 bis 90.000 Euro. Mit Tränen in den Augen fragte er: „Was soll aus mir werden?“

Herrenschneider sorgt sich um seine Mitarbeiter

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in der Innenstadt von Marseille war auch das Geschäft von Carmelo Biana verwüstet. Der bekannte Herrenschneider und Inhaber eines exklusiven Herrenausstatter-Geschäfts ist 89 Jahre alt – und arbeitet noch immer im Geschäft. Der Ladenbesitzer, der fünf Angestellte beschäftigt, fragte verzweifelt, wie es mit seinem Geschäft und seinen Mitarbeitern weitergehen solle. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“

Beschäftigte haben keine Arbeit mehr

Die Bäckerei Urban Bakery Family in Paris war erst 15 Tage geöffnet, als sie am Sonntag verwüstet wurde. Die Betreiber berichten: Neues Inventar, Tablets, Kasse, Tresor und eine Kaffeemaschine wurden geklaut. Acht Mitarbeiter stehen zudem vorerst ohne Arbeit da, berichtet das Magazin „Marie France“.

Auch mehrere Händler in Lyon wissen nach den Attacken nicht mehr weiter. Ein betroffener Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts berichtet von einer massiven Verwüstung seines Geschäfts. Ein anderer wird mit den Worten zitiert: „Ich bin keine Ladenkette. Ich arbeite jeden Tag, auch am Wochenende.“ Ebenfalls in Lyon steckte ein Gewalttrupp das Tourismusbüro in Brand.

Betroffen sind auch etliche Boutiquen, Blumenläden, Apotheken, Bars, Weinläden, Tabakgeschäfte und Franchisebetriebe. Berichte und Bilder zeigen Schäden an Geschäften unter anderem in Paris, Lyon, Bordeaux, Straßburg, Nizza und Marseille. Bei der Supermarktkette Carrefour waren laut Verbandschef Alexandre Bompard 50 Geschäfte angegriffen worden – sowohl große Märkte als auch kleine Nahversorger.

Landesweit wurden bislang mehr als 2000 Geschäfte geplündert oder beschädigt. Ein Ende ist offenbar nicht in Sicht. Denn auch am kommenden Samstag soll es am Place de la République die nächste große Demo geben. Auf Social Media kursieren schon die Warnungen.

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