Moskau – Ex-Kanzler Gerhard Schröder (82, SPD) hat offenbar einen Weg gefunden, für seinen Berater-Job in Russland bezahlt zu werden, ohne dass das Geld direkt aus Russland kommt. Wie der Spiegel berichtet, erhält Schröder für sein Aufsichtsratsmandat bei der Handelskette Hyperglobus keine direkten Zahlungen aus Russland. Stattdessen habe er einen „Beratervertrag“ mit der TMB Holding im saarländischen St. Wendel geschlossen. Zur Holding gehört seit 2025 auch Hyperglobus. Sie hat 23 Filialen in Putins Reich.
Die Kette war vergangenes Jahr von der deutschen Globus Holding abgespalten worden. Kremlchef Wladimir Putin (74) versucht derzeit, ausländischen Firmen die Kontrolle über ihre Vermögenswerte im Land zu entziehen. Anfang Oktober wurde bekannt, dass Schröder in den Aufsichtsrat von Hyperglobus berufen wurde. Putin und er sind alte Freunde. Seine Einkünfte aus dem Deal soll er gegenüber einem Freund als „kleines Zubrot“ bezeichnet haben. Gerade hatte der Altkanzler eine Filiale der Supermarkt-Kette in Russland besucht.
Lukrative Russland-Geschäfte des Ex-Kanzlers
Brisant: Eigentlich sind direkte Geldflüsse für Aufsichtsratsmandate bei Unternehmen mit Sitz in Russland wegen der verschärften Sanktionen von den USA und der EU nicht mehr möglich. Wie der Spiegel unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person berichtet, wurde die Konstruktion daher zuvor rechtlich geprüft. EU- und US-Sanktionen würden nicht verletzt.
Dass Schröder in der Sache auf Nummer sicher geht, ist kein Zufall. Im Mai 2025 hatte die Sparkasse Hannover Zahlungen der Nord Stream 2 AG an den Altkanzler blockiert. Als Verwaltungsrats-Chef hatte er jährlich 400.000 Euro erhalten. Das Geld wurde anschließend an die Gazprombank zurücküberwiesen. Zuvor hatte Schröder auch seine Tätigkeit für die beiden Energieriesen Gazprom und Rosneft wegen des Ukraine-Krieges ruhen lassen müssen.
Erneut Rufe nach Schröders Rauswurf aus SPD
Seine Verbindungen nach Russland und die Nähe zu Putin brachten ihm schon damals heftige Kritik ein – auch aus der SPD. Seither gab es immer Forderungen, Schröder aus der Partei zu werfen. Ein erstes Ausschlussverfahren scheiterte jedoch: 2022 wurde ein Ausschluss abgelehnt, im Mai 2023 wies die Bundesschiedskommission die letzten Einsprüche zurück.
Doch Schröder scheint die Kritik nicht zu stören. In Moskau besuchte er nicht nur den Globus-Supermarkt, sondern gratulierte Putin bei der Gelegenheit auch zum Geburtstag, ließ sich lächelnd mit ihm fotografieren. Die Folge: In seiner Partei gibt es erneut Rufe nach seinem Rauswurf. Der SPD-Bezirk Oberpfalz beschloss einstimmig einen Antrag für ein neues Parteiordnungsverfahren – unterstützt von den Landesvorsitzenden in Bayern und Baden-Württemberg.