Berlin – Die Fahrt zur Zapfsäule lässt Autofahrer seit heute wieder zusammenzucken. Zwei Monate lang gab es den Tankrabatt der Bundesregierung, jetzt kennt der Benzin-Preis wieder nur einen Weg: den nach oben! Um 12.10 Uhr kostete Super im bundesweiten Schnitt 2,20 Euro pro Liter – satte 18 Cent mehr als kurz vor 12 Uhr. Super E10 lag bei 2,14 Euro – 17 Cent mehr. Diesel kostete 2,10 Euro – 19 Cent mehr. Örtlich ging es noch dreister zu. Da stieg der Liter Sprit fast bis zu 30 Cent!
Schon einen Tag vor Ende des Rabatts hatten am Dienstag viele Autofahrer die Möglichkeit genutzt, um noch vergleichsweise günstig zu tanken. Und nach dem Tankrabatt-Aus? BILD schaute sich am 1. Juli an den Tankstellen um: Wie teuer wurde es und wie groß ist das Tank-Trauma wieder bei den Autofahrern?
„Tankrabatt kam nie wirklich an“
An der „bft“-Tankstelle in Erfurt (Thüringen) war das Ende des Tankrabatts deutlich zu spüren: Diesel stieg von 1,87 auf 2,06 Euro, Super E10 von 1,94 auf 2,10 Euro, Super von 2 auf 2,16 Euro. Christian Müller (61), der eigentlich aus Schleswig (Schleswig-Holstein) kommt, sagt: „Ich habe es verpasst, bezahle jetzt 19 Cent mehr für Super, als wenn ich noch vor 12 Uhr getankt hätte. Mein Gott, das ist ein Aufschlag um 10 Prozent! Früher war für 100 Mark der Tank voll, heute für 100 Euro. Ich finde, der Tankrabatt kam viel zu spät, hätte direkter und schneller bei uns ankommen müssen. Ich wohne im Norden, dort fahren viele Deutsche nach Dänemark an die Zapfsäulen, weil der Sprit dort viel günstiger ist.“
Sandra Schenk (46) aus Erfurt beobachtete schon am Dienstag die Benzinpreise: „Sie lagen bei Super bei 1,84 Euro pro Liter, zwei Stunden später kletterten sie auf 1,94. Jeder empfahl, heute vor 12 Uhr noch einmal zu tanken. Doch das war falsch, ich dachte, es wird günstiger. Jetzt liegt der Literpreis sogar bei 2 Euro. Beim Tankrabatt hatte ich nicht den Eindruck, dass man hätte sparen können.“
Daniel Papstein (46) aus Wiesbaden (Hessen): „Ob der Tankrabatt da war oder nicht, angekommen ist er nie wirklich. Bei Diesel lag er meiner Meinung nach nie günstiger als 12 Cent, die wirklich ankamen. Und schon gestern habe ich ordentliche Preissprünge festgestellt. Gerade jetzt, wo die Ferien starten, ist das schon dreist. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.“
„Ich fühle mich alleingelassen“
Vor 12 Uhr herrscht an der Star-Tankstelle an der Oldentruper Straße in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) noch reges Treiben. Auch Monika R. (74) tankt noch schnell ihr Auto voll. Sie zu BILD: „Hier ist es eh schon am günstigsten, aber ich habe es mir genau ausgerechnet, vor 12 Uhr zu kommen, um noch einmal den günstigen Preis mitzunehmen. Ich glaube, dass die Preise gleich auf über zwei Euro hochschnellen. Deswegen tanke ich auch in einen Kanister Sprit, um mein Wohnmobil zu Hause noch einmal betanken zu können.“
Die Rentnerin muss generell auf ihr Geld achten, deswegen ist es für sie wichtig, auch beim Sprit günstig wegzukommen. Sie sagt: „Ich fühle mich damit alleingelassen, dass der Tankrabatt jetzt Geschichte ist. Das war schon eine Entlastung, die jetzt wegfällt.“
„Jetzt wird es noch schlimmer für uns“
Um 12 Uhr ist es plötzlich leer an der Star-Tankstelle. Die Preise für Super sind am Mittag um 20 Cent und für Diesel um 28 Cent nach oben geschnellt. Um 12.15 Uhr tauchen doch noch Kunden auf. Karl B. (80) und Christa B. (73) haben es nicht mehr geschafft, vor 12 Uhr zu tanken. „Die verarschen uns doch nach Strich und Faden“, sagt der Rentner, „ich tanke eh nur noch für 20 Euro. Da macht das keinen großen Unterschied, wann ich komme. Wenn ich jetzt mein Auto volltanken würde, müsste ich bestimmt zehn Euro mehr bezahlen. Das ist einfach unfair. Wir – die kleinen Leute – leiden unter dem, was die Politik macht. Jetzt wird es noch schlimmer für uns.“
„Es ist zum Verzweifeln“
Berlin, Kreuzberg, Shell-Tankstelle, 11.30 Uhr: Viel Betrieb, die letzten Autos drängeln sich zur Tanksäule. Noch 30 Minuten, dann wird auch hier der Preis umspringen. Hausfrau Aylina (38) hat es gerade noch geschafft: „Mein Mann hat mich extra hergeschickt, ich soll den Wagen noch schnell volltanken, bevor es wieder hochgeht. Es ist zum Verzweifeln.“
Rentner Manfred Bunke (62) ist stinksauer. „Ich bin extra gekommen, hab es gerade noch geschafft. Ich hoffe mal, dass diese Preisschwankungen bald ein Ende haben. Wie viel die Konzerne sich davon abknapsen, das wird ja auch unterschiedlich bewertet. Von Anfang an war das nicht das richtige Konzept, was die Regierung gemacht hat mit der Bezuschussung.“
Marion (44) hat es gerade noch geschafft. Es ist 11.54 Uhr, ein Wagen steht noch vor ihr an der Zapfsäule: „Komme gerade von der Arbeit. Ich hoffe, ich schaffe es noch vor 12 Uhr. Langsam reicht es mit diesen Preisschwankungen.“
Um 11.57 springen die Preise um, drei Minuten früher, als offiziell vereinbart. Diesel knallt auf 2,09 Euro hoch – satte 13 Cent mehr. Super wird noch teurer: Ab 12 Uhr kostet der Liter 2,18 Euro, ein Plus von 16 Cent pro Liter. Plötzlich herrscht Totentanz an der Tankstelle: Bis 12.30 Uhr fährt nur ein einziger Wagen an die Zapfsäule.
„Totaler Zufall, dass ich günstig tanke“
Wenig los ist vor 12 Uhr an der Avia-Tankstelle am Innsbrucker Ring in München. Einer der wenigen Kunden an der Zapfsäule ist Felix Kellermann (29, Vertriebsleiter): „Ehrlicherweise war das ein totaler Zufall. Ich wollte eine E-Zigarette kaufen, hab gesehen, dass die Preise noch günstig sind.“
Auch Johannes Bocks (23, Mediendesigner) tankt noch mal voll: „Die anderen drei Tankstellen, bei denen ich war, hatten entweder zu oder der Diesel war ausverkauft. Ich war mir nicht sicher, ob gestern der Tankrabatt ausläuft oder heute um 12 Uhr …“
Nach 12 Uhr wurde es auch hier bemerkbar teurer: Der Preis für Super und Diesel stieg jeweils um 17 Cent auf 2,17 Euro und 2,02 Euro.