Hötensleben (Sachsen-Anhalt) – Stacheldraht, Wachtürme und Grenzmauern erinnern hier noch heute an die deutsche Teilung zwischen DDR und BRD. Viele Interessierte besuchten auch am Tag der Deutschen Einheit das Grenzdenkmal. Doch ausgerechnet über dieser historischen Kulisse könnten künftig gewaltige Strommasten aufragen.
Am Grenzdenkmal Hötensleben (Sachsen-Anhalt) gibt es Ärger um eine geplante Höchstspannungsleitung. René Müller vom Grenzdenkmalverein Hötensleben zu BILD: „Es gibt Pläne, dass die Stromleitung über unsere Anlage verlaufen und ein 86 Meter hoher Strommast neben dem Gelände stehen könnte. Dies könnte die Wirkung der noch erhaltenen Sperranlagen der DDR stark beeinträchtigen. Die Grenzanlage würde nicht mehr bedrohlich aussehen, sondern wie ein Spielzeug-Gelände im Verhältnis zu den Stromanlagen wirken.“
Verein fordert andere Route
René Müller betont gegenüber BILD: „Wir sind nicht gegen die Stromtrasse. Aber wir fordern vom Netzbetreiber TenneT eine alternative Route. Die Trasse soll so verlaufen, dass das Erscheinungsbild nicht gestört wird. Dafür setzten wir uns ein, protestieren dafür.“ Geplant ist, dass die Höchstspannungsleitung ab 2032 in Betrieb geht.
Was den Ort so besonders macht
Hötensleben in Sachsen-Anhalt liegt unmittelbar an der früheren innerdeutschen Grenze zum niedersächsischen Landkreis Helmstedt. Während die DDR ihre Grenzanlagen nach und nach immer stärker ausbaute, wurden Menschen in Ost und West über Jahrzehnte voneinander getrennt. Heute ist Hötensleben ein außergewöhnliches Zeugnis dieser Zeit: Mauern, Zäune, Kfz‑Sperren und ein Wachturm der früheren DDR-Grenzsicherung sind erhalten geblieben. Das 6,5 Hektar große Gelände steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Jährlich besuchen rund 20.000 Menschen die Anlage. Darunter sind auch Schülergruppen, Soldaten und Touristen aus dem Ausland.
Das sagt der Netzbetreiber
Eine Sprecherin der TenneT TSO GmbH zu BILD: „In einem ersten Verfahrensschritt wurde im Juli 2026 von der Bundesnetzagentur ein 1000 Meter breiter Korridor festgelegt, innerhalb dessen die Leitung verlaufen soll. Das Grenzdenkmal Hötensleben liegt zwar innerhalb dieses 1000-Meter-Korridors, der konkrete Trassenverlauf steht jedoch noch nicht fest. Für den Bereich des Grenzdenkmals werden in den nächsten Monaten weitere Trassenvarianten geprüft.“
Die Sprecherin weiter zu BILD: „Wir sind uns der historischen Bedeutung des Grenzdenkmals bewusst und stehen im engen Austausch mit unterschiedlichen Akteuren vor Ort, unter anderem auch mit dem Landesdenkmalamt.“
Der Grenzdenkmalverein veranstaltete am Sonnabend eine Menschenkette, legte ein großes Plakat mit der Aufschrift „Kulturerbe bewahren mitten in Europa“ aus und will jetzt Unterschriften für den Bundestag sammeln.