Reutlingen (Baden-Württemberg) – Ein Stromausfall hat Reutlingen (119.000 Einwohner) ins Chaos gestürzt. Auslöser war ein Brand in einem Umspannwerk, der Zehntausende Haushalte abrupt vom Netz trennte. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Nach BILD-Informationen werden auch mögliche Verbindungen zu dem Brandanschlag in Berlin Anfang des Jahres geprüft.
Bereits wenige Stunden nach dem Brand im Umspannwerk meldete der Netzbetreiber Netze BW erste Hinweise auf Brandstiftung: Demnach wurden drei separate Brandherde entdeckt, zudem war ein Zaun auf dem Gelände beschädigt.
Spuren wie bei Anschlag in Berlin
Wie BILD aus Sicherheitskreisen erfuhr, weist das Brandbild im Umspannwerk Reutlingen-West Parallelen zu dem Feuer an einer zentralen Kabelbrücke in Berlin auf. Auch dort hatten die Flammen zeitgleich mehrere Hoch- und Mittelspannungskabel erfasst. Der Sabotageakt in Berlin-Lichterfelde Anfang des Jahres löste den schwersten Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg aus – rund 45.000 Haushalte waren betroffen. Zu dem Brandanschlag bekannte sich die linksextremistische, anonyme „Vulkangruppe“.
Auch in Reutlingen ist das Ausmaß gewaltig: Nachdem am Vormittag zunächst nur etwa die Hälfte der Haushalte wieder ans Netz gegangen war, saßen weiterhin rund 30.000 Menschen im Dunkeln. Die Polizei hält sich mit Details zurück und betont, man ermittele in alle Richtungen. Polizeisprecherin Tina Rempfer (51) zu BILD: „Mögliche Zusammenhänge zum Anschlag in Berlin werden geprüft.“ Ein Bekennerschreiben liege bislang nicht vor.
Plötzlich war alles dunkel
Gegen 1.40 Uhr schlugen in der Nacht auf Montag Flammen aus dem Umspannwerk an der Markwiesenstraße im Stadtteil Betzingen und legten die Großstadt in Baden-Württemberg binnen Sekunden lahm. Kliniken und Pflegeheime schalteten in den Krisenmodus, Ampeln fielen aus, auch Handy- und Internetverbindungen wurden teilweise gestört.
Lebensmittel verderben, Aquarienfische sterben
Stundenlang ging kaum etwas voran. Erst ab 5.45 Uhr kehrte allmählich Strom zurück. Zunächst war aber nur etwa die Hälfte der rund 20.000 betroffenen Haushalte wieder versorgt. Rund 7000, auch in umliegenden Gemeinden, waren auch am Nachmittag noch ohne Energie. Während die Reparaturarbeiten und Ermittlungen auf Hochtouren liefen, regelte die Polizei den Verkehr, Einsatzkräfte versorgten Patienten und Betroffene.
Besonders bitter: Wegen des Ausfalls von Kühlaggregaten mussten viele Geschäfte große Mengen Lebensmittel entsorgen. „Auf jeden Fall wegwerfen müssen wir Molkereiprodukte wie Käse, Milch und Joghurt“, sagte Jonas Hönle, Mitarbeiter eines Supermarktes in Wannweil, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Aquarist klagte gegenüber BILD: „Meine Fische und Korallen verenden, weil die Umwälzpumpen nicht mehr laufen.“