Straße von Hormus (Iran) – Die Schließung der Straße von Hormus hat laut neuen Daten mehr als 1200 Frachtschiffe mit Waren im geschätzten Wert von 125 Milliarden US-Dollar (110 Mrd. Euro) festgesetzt. Die am Mittwoch veröffentlichten Schätzungen des Versicherers Allianz, die der „Financial Times“ vorliegen, sind die ersten, die den Wert der Vermögenswerte und Ladungen beziffern, die seit den ersten Angriffen auf den Iran im Februar im Golf festsaßen.
Nach Angaben der Allianz hat die „beispiellose“ Schließung der Meerenge „Bedenken hinsichtlich der Zukunft des globalen Seeverkehrs“ ausgelöst. Justus Heinrich, Leiter des Schiffsversicherungsgeschäfts, sagte der „Financial Times“: „Wir haben immer über realistische Katastrophenszenarien gesprochen, und jetzt haben wir ein echtes Katastrophenszenario wie dieses.“
Vor Beginn des Konflikts passierten täglich rund 135 Schiffe die Meerenge. Zudem lief dort etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports durch. Die Schließung sorgte dafür, dass der Ölpreis zeitweilig auf mehr als 100 Dollar pro Barrel (88 Euro) stieg. Mehr als 40 Schiffe wurden im Iran-Krieg von Raketen getroffen. Nach Daten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) kamen dabei 14 Seeleute ums Leben.
Alternative Transportwege werden wichtiger
Das vorsichtige Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat zuletzt für etwas Entspannung gesorgt. Nach Angaben der Analysten von Lloyd’s List Intelligence stieg die Zahl der aus dem Golf ausfahrenden Schiffe in der Woche bis zum 21. Juni auf 69. In der Vorwoche waren es noch 24. Damit wurde der höchste Wochenwert seit Beginn des Konflikts erreicht.
Trotz der langsamen Rückkehr des Schiffsverkehrs rechnen Logistik- und Schifffahrtsunternehmen damit, dass alternative Transportwege dauerhaft wichtiger werden. Dazu zählen Routen über Häfen am Golf von Oman oder am Roten Meer sowie Transporte über Land.
Rund 20.000 Seeleute auf Schiffen im Golf
Der Bericht verweist zudem darauf, dass sich weiterhin rund 20.000 Seeleute auf Schiffen im Golf befinden. Gleichzeitig nehmen Fälle zu, in denen Besatzungen im Stich gelassen werden („Crew-Abandonment“). Gemeint sind Situationen, in denen Reedereien keine Löhne zahlen oder Besatzungen ohne ausreichende Versorgung und Unterstützung zurücklassen. Die IMO schätzte am Dienstag außerdem, dass 11.000 Seeleute den Golf verlassen möchten, und erklärte, man habe gemeinsam mit Oman einen Evakuierungskorridor eingerichtet, der Schiffen die Ausfahrt ermöglichen werde.