Politik

SPD-Doppelspitze: Genossinnen machen Druck auf Lars Klingbeil

SPD-Doppelspitze: Genossinnen machen Druck auf Lars Klingbeil
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Berlin – Droht auf dem SPD-Parteitag der große Klingbeil-Knall? Am 16. und 17. Januar treffen sich die Genossen in Bremen, die komplette Bundesspitze wird neu gewählt. Dass die SPD auch künftig von einer Doppelspitze geführt werden soll, galt bislang als gesetzt. Doch nun gibt es Protest gegen die Pläne von Parteichef Lars Klingbeil (48): Besonders die Genossinnen sind auf der Zinne. Sie können sich auch eine Frau allein vorstellen.

Für Ärger sorgt, wie Klingbeil die Nachfolge von Bärbel Bas (58) regelte. Ohne größere Rücksprache habe er Alexander Schweitzer (53) „quasi im Handstreich“ als Arbeitsminister durchgesetzt, sagt ein Spitzengenosse. Mit Schweitzer übernimmt ein Mann einen bislang von einer Frau besetzten Posten. In einer Partei, in der bei Spitzenämtern traditionell nicht nur Flügel und Landesverbände berücksichtigt werden, sondern auch das Verhältnis von Männern und Frauen austariert wird.

Dazu kommt: Sollte Klingbeil Parteichef bleiben und langfristig seinen Anspruch als Vizekanzler sichern wollen, braucht er nach dem Bas-Abgang eine politisch gewichtige Frau an seiner Seite.

Niemand will nur die „Frau für Lars“ sein

Und die Suche nach einer „Frau für Lars“ sorgt nun so richtig für Zoff. Eine Top-Genossin zu BILD: „Es regt viele auf, dass jetzt der Eindruck entsteht, die Neuaufstellung der Parteispitze wäre lediglich die Besetzung der Frauen-Stelle neben Lars. Das ist doch kein Neuanfang!“

Viele werfen ihm außerdem vor, weder seine Ex-Co-Chefin Saskia Esken (65) noch Bärbel Bas wirklich vor Anfeindungen geschützt zu haben. Erstere wurde nach dem Debakel der SPD bei der Bundestagswahl als Parteichefin geopfert – während der mitverantwortliche Klingbeil einfach weitermachte. Jetzt suche er eine „neue Zweitfrau, die ihn dann in den Koalitionsausschuss begleiten darf“, spottet eine SPD‑Politikerin. „Als wenn das die Partei nach vorn bringen würde.“

ABER: Klingbeil lässt bislang offen, ob er erneut antritt. Nach dem Rückzug von Bas ließ er allerdings erkennen, dass er weitermachen will. Mit ihm werde es kein „Wackeln an der Doppelspitze geben“, sagte Klingbeil eilig in die Kameras.

Das fordern Genossinnen für den SPD-Parteivorstand

Genossinnen wie Chantal Messing (44), NRW-Landtagskandidatin und Vize-Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, sehen das anders. Messing zu BILD: „An der Spitze braucht es jetzt charismatische und authentische Köpfe, die die Sprache der Menschen sprechen und die Herzen erreichen.“ Messing weiter: „Dafür braucht es keine Doppelspitze.“ Die mache nur Sinn, „wenn die beiden Köpfe genau denselben Spirit, dieselbe Leidenschaft und dieselbe Haltung teilen“. Aber: „Wenn dieser gemeinsame Spirit nicht da ist, muss klar sein: Eine Frau kann und packt die SPD an der Spitze auch ganz allein.“

Das SPD-Statut schreibt keine Doppelspitze vor

Nina Scheer (55), Energie-Expertin der Genossen im Bundestag, betont: „Ob es einen SPD-Vorsitz in Doppelspitze oder in Einzelperson gibt, entscheidet allein der Bundesparteitag; dies wird nicht vom Parteivorstand und auch nicht durch die Parteivorsitzenden entschieden.“ Das kann man als klare Kampfansage an Lars Klingbeil verstehen.

Und was sagt das SPD-Organisationsstatut? Da heißt es in Paragraf 23: „Die Leitung der Partei obliegt dem Parteivorstand. Er besteht aus dem oder der Vorsitzenden oder zwei gleichberechtigten Vorsitzenden, davon eine Frau.“ Sprich: Es könnte auch eine Frau allein machen.

Juso-Chef hält Doppelspitze für gescheitert

Der Parteinachwuchs hält die Doppelspitze für gescheitert – und spricht Klartext über Klingbeil: „Eine Frau könnte ich mir als alleinige SPD-Vorsitzende vorstellen – einen Mann nicht“, sagte Juso-Chef Philipp Türmer (30) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Besonders Mecklenburg-Vorpommern-Regentin Manuela Schwesig (52) hält Türmer als alleinige Parteichefin für geeignet. Parteifreundinnen von Schwesig sind sich zudem einig: „Manu würde auch keine anderen Götter an ihrer Seite dulden.“

Vielleicht verpasst