Berlin – Der Chef der Jusos, Philipp Türmer (30), sorgt mit einem Anti-Spahn-Video für Aufsehen. Der Chef der SPD-Jugendorganisation schenkt sich darin feierlich und mit einem süffisanten Lächeln ein teures Import-Bier (Peroni) in ein Champagnerglas und gönnt sich auf den Spahn-Rücktritt einen genüsslichen Schluck.
Auf Instagram schreibt Türmer zum Video: „Es war kein Sekt vorhanden, aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“ Unterlegt ist das 20 Sekunden lange Video mit dem weltberühmten Walzer „An der schönen blauen Donau“ (op. 314) von Johann Strauss (Sohn) aus dem Jahr 1867. Außerdem bezeichnet der SPD-Nachwuchspolitiker Jens Spahn (46) mit eingeblendeten Text-Überschriften als „Maskenmilliarden-Verschwender“ und „Brandmauer-Gefährder“. Er legt noch den englischen Abschiedsgruß „Farewell!“ („Lebewohl!“) nach. Auf Social Media erntet Türmer damit überwiegend heftige Kritik – auch aus den eigenen Reihen.
Michael Roth (55, SPD), bis 2025 noch Bundestagsabgeordneter, findet deutliche Worte: „Spahn hin. Spahn her. Sorry, aber so etwas tut man nicht. Ob links oder rechts, jung oder alt, oben oder unten – Respekt, Fairness und Feingefühl werden hier geschreddert. Gut, dass ich mir das in der Politik nicht mehr antun muss.“ Türmer ist seit November 2023 Bundesvorsitzender der Jusos.
Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe (55) – seit 2005 im Bundestag – antwortet Türmer: „Ich wäre dafür, dass alle mal ein bisschen sorgsamer miteinander umgehen. Und das ist bei diesem Beitrag nicht der Fall. Kritik ja. Die Art finde ich unangebracht. Sorry.“
Hintergrund: Jens Spahn (CDU) hatte am Samstag die Reißleine gezogen und in einem Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seinen Rücktritt erklärt. Als Grund nennt Spahn die anhaltende Debatte um die Leihmutterschaft, durch die er gemeinsam mit seinem Ehemann Vater geworden ist. „Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt“, schrieb Spahn.