Hauptnachrichten

Seltenes Feuer-Phänomen bedroht Frankreich

Seltenes Feuer-Phänomen bedroht Frankreich
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Bordeaux (Frankreich) – Ohne Pause fressen sich riesige Flammen seit Tagen durch den Südwesten Frankreichs bei Bordeaux. Einsatzkräfte kämpfen tapfer gegen die verheerenden Brände. Hunderttausende Menschen sind zur Flucht gezwungen. „Das Feuer breitet sich völlig willkürlich und richtungslos aus“, sagte Guillaume Millet von der Feuerwehr des Départements Gironde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Laut Wetterexperten ist daran ein Phänomen schuld, das es so in Europa nur selten gibt: Feuerstürme.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt das Feuersturm-Phänomen gegenüber BILD: „Über einem sehr intensiven Brand steigt extrem heiße Luft rasch nach oben, ähnlich wie über einer Herdplatte, nur in gewaltigem Maßstab. Enthält die aufsteigende Luft genug Feuchtigkeit, kondensiert diese in der Höhe zu einer Wolke, dem Pyrocumulus. Reicht die Aufwärtsbewegung noch weiter, wächst daraus ein Pyrocumulonimbus, also eine echte Gewitterwolke, die das Feuer selbst erzeugt hat.“

Diese Wolke mache sich gewissermaßen ihr eigenes Wetter, so der Meteorologe weiter. „Sie erzeugt Fallwinde, die in wechselnde Richtungen wehen, und sie kann Blitze produzieren. Diese Blitze können neue Brände auslösen. Das macht ein solches Feuer schwer vorhersehbar und für die Einsatzkräfte gefährlich, weil es sich nicht mehr wie ein normales Feuer nur in eine Richtung ausbreitet.“ Die Nasa bezeichnet die bei extremen Bränden entstehenden Feuergewitterwolken als „feuerspeienden Drachen“.

Schwere Brände auch in Spanien

In Frankreich wüten die Flammen vor allem im Südwesten des Landes, wo sie sich laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt „unkontrolliert“ nahe der Stadt Bordeaux ausbreiteten. Am Sonntag rückten sie bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Stadt-Großraums heran. Nuñez zufolge habe Frankreich Brände in so einem Ausmaß noch nie erlebt. Die Feuerwehrleute haben Mühe, die kilometerlangen Flammen einzudämmen.

Auch in Spanien wüten aktuell mehrere schwere Großbrände – unter anderem nördlich von Madrid. Eine belastbare eigene Bestätigung eines Pyrocumulonimbus hat Jung für Spanien im Moment allerdings nicht. Laut dem Wetter-Experten treten Pyrocumulonimbus-Ereignisse vor allem in Regionen mit großflächigen, trockenen Wäldern und ausgeprägten Trockenperioden auf – zum Beispiel im Westen Nordamerikas (USA, Kanada) und in Australien. „Beim australischen ‚Black Summer’ 2019/2020 bildeten sich mehrere Dutzend solcher Wolken, ein großer Teil reichte bis in die Stratosphäre. Auch in Sibirien und Südamerika werden sie beobachtet“, erklärt Jung.

Innerhalb Europas seien Pyrocumulonimbus-Wolken in der Vergangenheit bereits in Portugal, Spanien und Schweden dokumentiert worden. Trotzdem seien sie in Europa „selten“. „In Mittel- und Westeuropa dürften sie an Häufigkeit zunehmen“, prophezeit Jung. Der Grund: längere und intensivere Hitze- und Trockenperioden.

Vielleicht verpasst