Kriegschroniken

Selenskyj ruft zu weiterem Widerstand gegen Russland auf

Selenskyj ruft zu weiterem Widerstand gegen Russland auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner Rede an die Nation zum 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit zum weiteren Widerstand gegen Russland aufgerufen. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft zum Einlenken gezwungen werden, sagte er in einem 20-minütigen Video. »Die Ukraine wird das schaffen.«

Bei seinen Plänen für die Ukraine habe sich der russische Präsident Wladimir Putin grundlegend geirrt, sagte Selenskyj. Putin und die russische Gesellschaft hätten unterschätzt, wie entschlossen die Ukrainerinnen und Ukrainer für ihre Unabhängigkeit kämpften. Putin habe Russland groß machen wollen, heute gebe es lange Schlangen an Tankstellen. Russische Soldaten würden von der ukrainischen Armee auf dem Schlachtfeld »zu Dünger« gemacht, sagte Selenskyj.

Zugleich räumte der Präsident ein, dass die Lage »für uns alle wirklich sehr, sehr schwer« sei. Die von Russland geforderte Abtretung des Gebiets Donezk lehnte er erneut ab. Niemand glaube, dass damit der Krieg beendet wäre, sagte Selenskyj. »Wir vertrauen ihnen nicht.« Die Ukraine sei ein anderer Staat geworden und verschenke nichts. Das Land sei »kein Opfer, sondern ein Kämpfer«.

Daneben hob Selenskyj die Entwicklung der ukrainischen Rüstungsindustrie und Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland hervor. Die Ukraine müsse ihr Militär weiter stärken und ihre Verteidigung aufrechterhalten, sagte er.

Selenskyj appelliert an China

An die Führung in China appellierte Selenskyj, nicht länger zu schweigen. China müsse seinen Führungsanspruch auch dadurch untermauern, »indem es deutlich macht, dass kein Diktator den Planeten mit seinen veralteten Sprengköpfen bedrohen darf«. Den USA unter Präsident Donald Trump bescheinigte Selenskyj, ihre Illusionen über Russland verloren zu haben. Er forderte erneut härtere Sanktionen.

Unterdessen sicherte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der Ukraine anlässlich des Unabhängigkeitstages die weitere Unterstützung Deutschlands zu. »Wir stehen fest an der Seite der Ukraine«, sagte Merz in einem auf X veröffentlichten Video. Die Ukrainerinnen und Ukrainer verteidigten seit Jahren »mit beeindruckendem Mut« die Unabhängigkeit ihres Landes gegen den russischen Angriffskrieg.

EU-Kommission gibt weitere Gelder aus Darlehen frei

Zuvor hatte die EU weitere 6,1 Milliarden Euro aus ihrem 90-Milliarden-Euro-Darlehen freigegeben. Die Mittel sind nach Angaben der EU-Kommission für Luftabwehrsysteme, Lenkwaffen, Munition und Radaranlagen vorgesehen. Ein Großteil der Beschaffungen soll bei Rüstungsunternehmen aus der EU erfolgen.

Die Kommission begründete die Genehmigung mit einer Verschärfung der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen. Die EU-Kommission teilte mit, dass allein im Juli 376 Raketenangriffe registriert worden seien. Zum Unabhängigkeitstag zeige Europa seine Unterstützung »unerschütterlich und konkret«, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Die Hilfen sind Teil eines Unterstützungsdarlehens im Umfang von bis zu 90 Milliarden Euro. Nach Angaben der EU-Kommission wird es in mehreren Tranchen ausgezahlt. Zuvor hatte die EU-Kommission Beschaffungspläne im Umfang von rund 16 Milliarden Euro genehmigt. Davon wurden nach Angaben der Kommission bereits 8,35 Milliarden Euro ausgezahlt.

Koalition der Willigen berät in Kyjiw

Am Unabhängigkeitstag beraten Merz und weitere Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen über die weitere militärische Unterstützung. An dem Treffen in Kyjiw nehmen nach Angaben eines EU-Vertreters gegenüber der Nachrichtenagentur AFP etwa zehn Personen teil, darunter EU-Ratspräsident António Costa und der neue britische Premierminister Andy Burnham. Merz und weitere Teilnehmer sollen per Video zugeschaltet werden.

Mit dem Nationalfeiertag am 24. August erinnert die Ukraine an ihre Unabhängigkeitserklärung vom 24. August 1991.

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