An Veranstaltungen gibt es am Wochenende keinen Mangel: In Lübeck steigt ein großes Jugendhandballturnier, in Frankfurt am Main findet ein Ironman-Wettbewerb statt, bei dem die Teilnehmer 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und dann noch einen Marathon absolvieren. Ebenfalls in Frankfurt spielen „Die Toten Hosen“ am Samstag ein Konzert.
Diese und alle anderen Sportveranstaltungen, Konzerte und Events, die am Samstag und Sonntag stattfinden sollen, haben jedoch mit einem erheblichen Problem zu kämpfen: der Rekordhitze. Die Temperaturen sollen am Wochenende bundesweit ihren Höhepunkt erreichen. In Frankfurt könnte das Thermometer am Samstag laut Vorhersagen auf 41 Grad Celsius klettern. In Berlin soll dieser Wert am Sonntag erreicht werden.
Zur Herausforderung werden Großveranstaltungen angesichts dieser Temperaturen auch für die Rettungskräfte. Durch die Hitze verzeichnen sie ohnehin mehr Einsätze als bei Normaltemperaturen. Gerade bei Großevents kann die Hitze die Anzahl der Einsätze noch einmal drastisch in die Höhe treiben. Erste Rettungsorganisationen mahnen deshalb dazu, die Planung von am Wochenende stattfindenden Events zu überdenken. Dabei würde ein angepasstes Konzept oft schon reichen, um eine höhere Einsatzzahl zu vermeiden. Bei bestimmten Veranstaltungen sprechen sich die Helfer allerdings auch für eine Absage aus.
Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) rüstet sich bereits für die Großveranstaltungen am Wochenende, darunter das Konzert der „Toten Hosen“, das vom ASB betreut wird. Dabei rechnet die Rettungsorganisation mit „einer Vielzahl von nötigen Hilfeleistungen“. Wegen der hohen Temperaturen justiere man die personelle Planung und Geräteausstattung neu. „Ferner sorgen wir dafür, dass genügend Ruhe- und Erfrischungsphasen für die Einsatzkräfte möglich sind“, heißt es vom ASB.
Bei einigen Sportveranstaltungen empfiehlt der ASB angesichts der Rekordhitze eine Verschiebung. „Bei Sportveranstaltungen mit einem hohen Anteil an untrainierten und unprofessionellen Sportlern würden wir eine Verschiebung empfehlen“, heißt es vom ASB. Bei anderen Veranstaltungen, wie etwa beim Ironman in Frankfurt, gehe der ASB hingegen davon aus, „dass die Teilnehmer ganz überwiegend ihre Kondition und Grenzen gut einschätzen können“.
Der Rettungsdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe sieht die Entscheidung über Veranstaltungen nicht bei den Sanitätsdiensten, sondern bei den zuständigen Ordnungs- und Sicherheitsbehörden. Diese würden gemeinsam mit dem Veranstalter im Rahmen des jeweiligen Sicherheitskonzepts entscheiden. Warnungen der Rettungsdienste würden in diese Entscheidungen jedoch einfließen. „Gerade weil wir die gesundheitlichen Risiken der Hitze klar benennen, sorgen wir dafür, dass Veranstaltungen wetterangepasst und ausreichend abgesichert sind“, heißt es von der Johanniter-Unfall-Hilfe.
Eine pauschale Empfehlung, Sportveranstaltungen vorsorglich abzusagen, gibt die Johanniter-Unfall-Hilfe nicht ab. Seriös beantworten lasse sich die Frage nach einer vorsorglichen Absage nur im Einzelfall, abhängig von Art und Dauer der Veranstaltung, dem Teilnehmerkreis, der Tageszeit und den konkreten Wetterwerten. Zudem teilt die Rettungsorganisation mit, dass auch bei Events, die trotz Hitze stattfinden, zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen werden können.
So könnten etwa Start- oder Wettkampfzeiten in kühlere Stunden verlegt werden oder zusätzliche Trink- und Schattenangebote und Kühlmöglichkeiten geschaffen werden. Auch eine verstärkte Präsenz von Sanitäts- und Rettungsdiensten wäre möglich. Sollte die medizinische Gefährdung der Teilnehmer aus Sicht der Rettungsorganisation nicht mehr vertretbar sein, würde sie das gegenüber Veranstalter und Behörde deutlich benennen.
Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, betont, dass extreme Hitze kein harmloses Wetterereignis sei, sondern „eines der größten wetterbedingten Gesundheitsrisiken überhaupt“. Extreme Hitze müsste laut dem Politiker bei Großveranstaltungen genauso ernst genommen werden wie Sturm oder Unwetter.
Nicht zögern, den Notruf 112 zu wählen
Dafür brauche es entsprechende Schutzkonzepte und die Bereitschaft, Veranstaltungen anzupassen, wenn die Sicherheit der Menschen es erfordere. „40 Grad sind kein normaler Sommertag. Wer jetzt Veranstaltungen organisiert, trägt Verantwortung dafür, dass aus sportlichen Höchstleistungen Einzelner kein medizinischer Notfall Vieler wird“, sagte Dahmen WELT.
Einige Großveranstaltungen haben angesichts der Hitze ihr Sicherheitskonzept bereits angepasst. So soll etwa das Fusion-Festival in Berlin trotz Hitze stattfinden. Allerdings würden die Preise für Wasser an den Bars herabgesetzt werden und kostenlose Trinkwasserstellen zur Verfügung stehen. Auch andere Vorbereitungen seien getroffen worden.
Die Johanniter-Unfall-Hilfe betont, dass sich hitzebedingte Notfälle oft bereits durch einfache Maßnahmen verhindern lassen. „Wer ausreichend trinkt, die pralle Mittagssonne und größere Anstrengung in den heißesten Stunden meidet und auf ältere oder alleinlebende Menschen im Umfeld achtet, schützt zuerst sich und andere und trägt zugleich dazu bei, hitzebedingte Notfälle gar nicht erst entstehen zu lassen“, heißt es von der Rettungsorganisation. Zugleich betont die Johanniter-Unfall-Hilfe, dass im Ernstfall niemand zögern sollte, den Notruf 112 zu wählen. „Dafür sind wir da“, so die Rettungsorganisation.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.