Moskau – Nach den gezielten Drohnenattacken der Ukraine auf Raffinerien und Öl-Lager im ganzen Land steht Putins Militär blamiert da: Es ist offensichtlich unfähig, den eigenen Luftraum zu schützen. Und: Die Folgen davon bekommen die Russen inzwischen von Moskau bis ins ferne Sibirien zu spüren. Wie groß die Wut auf den Kreml deshalb ist, können nicht einmal die putintreuen Statistiker des staatlichen Umfrageinstituts FOM noch verbergen. In ihrer jüngsten Befragung schmieren Putins Beliebtheitswerte regelrecht ab.
Nur noch 66 Prozent der Russen sagen, dass sie Vertrauen in Putins Arbeit haben – minus fünf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche und damit der größte Absturz seit dem Herbst 2022. Damals hatte der Kreml-Chef eine Teilmobilmachung verkünden müssen, weil ihm an der Ukraine-Front die Soldaten ausgingen.
Die heutige Zustimmung von zwei Dritteln hört sich nach deutschen Maßstäben noch immer nach viel an – doch im von Angst und Unterdrückung geprägten Meinungsklima Russlands kommen die Zahlen einer Klatsche für Putin gleich. Denn: Es gibt kaum noch unabhängige Statistiker. Die Mitarbeiter von FOM stehen auf der Gehaltsliste der Präsidialverwaltung.
Jeder Fünfte hält Benzinmangel für Problem
UND: Putins Absturz ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für den Kreml. So zeigt eine weitere FOM-Auswertung, dass immerhin 14 Prozent der Russen die ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium ganz offen als wichtiges Problem im Land benennen. Für 19 Prozent der Russen ist der Benzinmangel im Land das wichtigste Thema – ebenfalls eine direkte Folge des Krieges. Heißt: Putins Strategie, den Krieg und dessen verheerende Folgen von den eigenen Bürgern fernzuhalten, geht nicht mehr auf.
Hinzu kommt: Im September stehen Parlamentswahlen an. Und Putin selbst steht zwar nicht auf dem Stimmzettel – doch ein (vergleichsweise) schlechtes Ergebnis für seine Partei Einiges Russland wäre ein klares Zeichen für den gärenden Unmut im Land. Laut FOM hält es ein Viertel der Russen inzwischen für möglich, dass es bald zu Protesten kommt.