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Russland setzt gefürchtete Oreschnik-Rakete ein –WDR-Studio in Kiew stark beschädigt

Russland setzt gefürchtete Oreschnik-Rakete ein –WDR-Studio in Kiew stark beschädigt

Russland hat nach eigenen Angaben in der Ukraine erneut die wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchtete neue Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt. Es handle sich um eine Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.

Damit hat Russland die Ukraine nach eigenen Angaben mit vier verschiedenen Raketentypen angegriffen. Neben Oreschnik kamen auch die Systeme Iskander, Kinschal und Zirkon zum Einsatz. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von dem Einsatz – erstmals nahe der Hauptstadt Kiew – gesprochen. Kremlchef Wladimir Putin habe die Rakete gegen Bila Zerkwa abgefeuert, sagte Selenskyj in einer am Morgen in Kiew veröffentlichten Videobotschaft. Die Großstadt liegt im Kiewer Gebiet.

„Das ist wirklich unverantwortlich. Es ist wichtig, dass dies für Russland nicht ohne Folgen bleibt“, sagte Selenskyj. Zu Schäden in Bila Zerkwa machte er keine Angaben. Es war demnach bereits der dritte Einsatz der Waffe in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Auch das Museum zur Erinnerung an die Atomkatastrophe von Tschernobyl sei praktisch zerstört worden. Schäden gebe es außerdem am Gebäude des nationalen Kunstmuseums, in dem auch der deutsche Fernsehsender ARD sein Studio habe, teilte der Präsident mit. Der WDR bestätigte das.

EU-Vertreter verurteilen Einsatz

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland „ein rücksichtsloses Spiel mit dem Feuer“ vor. Der mutmaßliche Einsatz von Mittelstreckenraketen des Typs Oreschnik, die für atomare Sprengköpfe ausgelegt sind, sei „eine politische Einschüchterungstaktik“, schreibt Kallas auf X. Russland terrorisiere die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren, weil das Land auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse stecke.

Auch die Bundesregierung kritisierte den Einsatz deutlich. „Die Bundesregierung verurteilt diese rücksichtslose Eskalation scharf“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag auf X. „Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine.“

Außenminister Johann Wadephul schrieb auf X: „Raketenterror ist schockierend. Der Einsatz einer Oreschnik ist eine weitere Eskalation.“ Dies bestärke ihn darin, die beim Nato-Außenministertreffen gemachten Vorschläge konsequent weiterzuverfolgen. Nur eine starke Ukraine werde Putin zum Einlenken bewegen können. Bei dem Treffen hatte Wadephul seinen Vorschlag präzisiert, dass die Nato-Partner zusätzlich zu dem von der EU beschlossenen Kredit für Kiew noch einmal bilateral Hilfen auflegen.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron äußerte sich auf X und verurteilte den Angriff. Dies bedeute eine Eskalation und zeige die Sackgasse des russischen Angriffskrieges auf. Er bekräftigt zudem die Unterstützung Frankreichs für die Ukraine.

Die auch in Belarus von Moskau stationierte Oreschnik-Rakete (auf Deutsch: Haselstrauch) kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und ihre Reichweite von bis zu 5000 Kilometern machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.

WDR-Studio in Kiew durch Druckwelle beschädigt

Der jüngste russische Angriff auf Kiew traf auch das ARD‑Auslandsstudio. Das zentral gelegene Studio des WDR sei massiv beschädigt und in Teilen zerstört worden, teilte der WDR in Köln mit. Wahrscheinlich habe eine Druckwelle Fenster bersten, Räume verwüsten und Wände einstürzen lassen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich demnach keine Mitarbeiter im Studio.

„Ich bin sehr erleichtert, dass unsere Mitarbeiter bei diesem Angriff nicht verletzt wurden“, sagte WDR-Intendantin Katrin Vernau am Sonntag. Doch zeige sich erneut, unter welch gefährlichen Bedingungen das Team in Kiew seit Jahren arbeite, um deutsche Zuschauer über den russischen Angriffskrieg und Hintergründe zu berichten. „Ich habe großen Respekt vor dem Mut und der Leistung unseres Teams“, so Vernau.

Die ARD-Reporterin Susanne Petersohn sagte in der „Tagesschau“, das Studio sei „in weitesten Teilen zerstört“. Es seien Wände eingebrochen, Fenster mit Rahmen herausgeflogen und Technik zerstört worden. „Überall liegt Glas, liegen Türen, liegen Fenster“, sagte Petersohn. Das Gebäude habe geräumt werden müssen, da es möglicherweise einsturzgefährdet sei. Außerdem bestehe die Gefahr von Blindgängern.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteilte die teilweise Zerstörung. „Das war ein Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten für die ARD über den brutalen Krieg“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

Nach den massiven russischen Angriffen auf Kiew ist die Zahl der Toten in der ukrainischen Hauptstadt und der umliegenden Region auf vier gestiegen. Wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntag mitteilte, wurden in der Hauptstadt zwei Tote und 56 Verletzte verzeichnet. In der umliegenden Region Kiew gab es nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschnyk zwei Tote und neun Verletzte.

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