Kiew (Ukraine) – Für die Menschen in Kiew blieben in dieser Nacht nur wenige Minuten, um Schutz zu suchen. Mehr als zehn Explosionen erschütterten die ukrainische Hauptstadt. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden bei einem russischen Raketenangriff mindestens neun Menschen getötet und 28 weitere verletzt, darunter vier Kinder.
Schwer getroffen wurden die Bezirke Darnyzkyj und Solomjanskyj. Mehrere Wohnhäuser, Gewerbegebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt oder gingen in Flammen auf. In einem fünfstöckigen Wohnhaus waren Menschen zeitweise eingeschlossen. Insgesamt retteten Einsatzkräfte 105 Bewohner aus den betroffenen Gebäuden.
„Die Welt darf keine Angst vor Putin haben“
Wie groß das Leid ist, zeigt das Schicksal von Schanna Maidanska. Angehörige der Frau leben in einem teilweise zerbombten Wohnhaus im Bezirk Solomjanskyj. „Die Welt darf keine Angst vor Putin haben. Er muss gestoppt werden“, sagte sie zu „The Kyiv Independent“. Ihre Tante und ihr Bruder hätten den Angriff zwar überlebt, lägen aber im Krankenhaus. „Sie bringen überall nur Leid. Sie erschaffen nichts, sie bauen nichts auf. Stattdessen verbreiten sie den Tod“, sagte Maidanska.
Auch für Lidija Synowska blieb kaum Zeit, um Schutz zu suchen. „Wir hörten die Explosionen fast sofort nach dem Luftalarm“, sagte die 38-Jährige. „Wie sollten wir da noch einen Schutzraum erreichen? Wir hatten gar keine Zeit.“ Die 75-jährige Kateryna Krawtschenko sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Alles war zertrümmert, die Fenster, alles.“ Die Rentnerin fügte hinzu: „Ich weiß nicht, wie ich das alles durchstehen soll.“ Die 46-jährige Oksana kündigte an, die Stadt verlassen zu wollen. „Nach so etwas kann man hier nicht bleiben“, sagte sie.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (55) schrieb auf Telegram, dass die Angriffe erhebliche Schäden in mehreren Stadtteilen verursacht hätten. Zudem seien in verschiedenen Bezirken Brände ausgebrochen. Russland erklärte später, einen „massiven Schlag gegen Kiew“ geführt zu haben. Ziel seien Rüstungsbetriebe und Logistikzentren gewesen.