Washington D.C. (USA) – Eishockeyschläger, Wein, Käse – das ist keine Einkaufsliste. Das sind die neuesten Zollforderungen von Donald Trump (80). Der US-Präsident dreht die Zollschraube gegen Kanada weiter: 50 Prozent Zusatzzoll auf Importe in die USA im Wert von rund 20 Milliarden Dollar (17,5 Mrd. Euro)! Die Liste der betroffenen Güter liest sich wie ein Kanada-Klischee-Bingo.
Laut dem Weißen Haus handelt es sich um eine breite Palette von kanadischen Produkten, darunter auch Zement, Möbel und Kleidung. Trump habe die Maßnahme am Montag (Ortszeit) unterzeichnet. Als Begründung wurde die „diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte“ wie Autos, Alkohol und Milchprodukte durch Kanada genannt. Die Zölle basieren auf einem fast hundert Jahre alten Handelsgesetz aus dem Jahr 1930 und sollen 30 Tage nach der Unterzeichnung am 19. August in Kraft treten. Mit den Zöllen will Trump bessere Export-Bedingungen für US-Autos erzwingen.
USA und Kanada streiten schon länger
Die Zölle bedeuten eine neue Eskalation im Handelsstreit zwischen den beiden Nachbarländern. Immer wieder hatte Trump Kanada wie auch anderen Ländern weltweit ein Handelsungleichgewicht zulasten der USA vorgeworfen. Zölle sind ein wichtiges Instrument seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident.
Allerdings hatte Trump zuletzt zurückrudern müssen. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA verbot es ihm, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz Zölle zu verhängen. Seitdem versucht Trump über andere Wege, Zölle durchzusetzen. In der Vergangenheit kam es zudem vor, dass er zwar Zölle androhte, sie aber dann doch nicht in die Tat umsetzte.
Trump sauer über Waldbrände in Kanada
Vor wenigen Tagen hatte Trump Kanada bereits aus einem anderen Grund mit höheren Zöllen gedroht. Er schrieb auf seiner Plattform Truth Social, dass den USA mit der durch Waldbrände verursachten Luftverschmutzung hohe Kosten entstehen würden. Deswegen müssten diese Kosten „zwangsläufig“ den bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden.
In großen Teilen des Nordostens der USA hatte es in der vergangenen Woche Rauchschwaden gegeben, nachdem Dutzende Wälder im benachbarten Kanada gebrannt hatten. In der Hauptstadt Washington warnten die Behörden am Freitag zeitweise vor schlechter Luftqualität, ein Brandgeruch lag in der Luft.
Kanadier entsetzt über Forderung
Der Regierungschef der kanadischen Provinz Ontario, Doug Ford (61), reagierte entsetzt. Bei einer Pressekonferenz am Montag sagte Ford, Kanada habe die USA im Kampf gegen Waldbrände im Nachbarland unterstützt und Hilfe angeboten, als der US-Bundesstaat Georgia im Jahr 2024 von einem Hurrikan verwüstet wurde.
Statt Kanada, den „engsten Freund“ der USA, zu bedrohen, möge Trump bedenken, dass er vielleicht eines Tages Hilfe benötigen werde. Es frustriere Ford, sich den „Unsinn“ aus Washington überhaupt anzuhören. Vielleicht biete es sich eher an, dass Trump Kanada Hilfe anbiete, statt „dazusitzen, und Zölle anzudrohen“.