Am Kottbusser Tor in Berlin steht eine drastische Botschaft gegen Investoren. In mannshohen Lettern ist dort seit Monaten „Investoren töten“ zu lesen. Ein Berliner Venture Capital (VC) sah darin jüngst ein Zeichen für wachsenden Hass auf die Branche, andere VCs reagieren gelassen.
Was geschehen ist: Aufruhr in der Szene
Ein großflächiges Graffito mit den Worten „Investoren töten“ am sogenannten Kotti sorgte in der VC-Szene für Empörung und eine Debatte über den Umgang mit privatem Kapital in der Stadt.
Cherry-Ventures-Partner Filip Dames teilte via X ein Foto des Schriftzuges. Er sieht darin ein Zeichen für Investorenfeindlichkeit. Mehrere Investoren ordnen auf Nachfrage von Gründerszene die Parole als Gewaltaufruf oder Ausdruck gesellschaftlicher Spaltung ein. Während Redstone-Investor Moritz Gillmair und Unternehmer und Investor Christian Miele mehr Anerkennung für die wirtschaftliche Rolle von Investoren fordern, plädiert Wefox-Gründer Julian Teicke für Dialog statt Polarisierung. Ein weiterer VC bewertet das Graffito hingegen lediglich als Einzelmeinung.
Vor Ort kritisieren Anwohner vor allem steigende Mieten im Kiez im Gespräch mit Gründerszene.
Berliner Polizei ermittelt zum Graffito
Aber wie bewertet die Berliner Polizei die Schmiererei an der Fassade des Hochhauses?
Seit Mitte Juli 2026 ermitteln die Behörden in der Sache, teilt Stefan Petersen-Schümann, Polizeisprecher der Stadt Berlin, auf Anfrage mit. Es handele sich hierbei um eine Straftat. Zu dem Sachverhalt ermittelt die Polizei Berlin demnach wegen Sachbeschädigung.
Wer den Schriftzug an die Fassade gebracht hat, sei allerdings nicht bekannt, entsprechende Erkenntnisse liegen dem ermittelnden Fachkommissariat nicht vor. „Da dem ermittelnden Fachkommissariat derzeit noch keine Erkenntnisse zu den Tatverdächtigen vorliegen, können zum jetzigen Zeitpunkt keine direkten Maßnahmen gegen die Verantwortlichen ergriffen werden“, teilt der Polizeisprecher weiter mit. Laut Paragraf 303 im Strafgesetzbuch drohen dem unbekannten Täter oder der Täterin eine Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.
Hass auf Investoren oder Mietprotest?
Wer sich von der Parole angesprochen fühlen soll, ist unklar. „Der Polizei Berlin liegen derzeit keine Erkenntnisse dazu vor, auf welche konkreten Personen oder Unternehmen sich die Bezeichnung ‚Investoren‘ in diesem Zusammenhang bezieht“, sagt Petersen-Schümann.
Und wie geht es mit der Schmiererei nun weiter? Die Beseitigung des Graffitos liege nicht im Zuständigkeitsbereich der Beamten, sondern beim Gebäudeeigentümer, so die Polizei. Das Graffito müsse also vom Eigentümer entfernt beziehungsweise überstrichen werden.
Mieterhöhungen und desolate Zustände
Probleme mit Immobilieninvestoren gab es im Haus schon vor über zehn Jahren. Das Hochhaus in der Skalitzer Straße war zuletzt 2015 in den Schlagzeilen. Damals wurde den Mietern eine drastische Mieterhöhung angekündigt – bis zu 400 Euro pro Wohnung, angeblich von einem Monat zum nächsten. Der Grund: Es habe einen Eigentümerwechsel gegeben und eine neue Hausverwaltung wurde eingeschaltet, die sich den Mieterinnen und Mietern mit einer dreifachen Mieterhöhung vorstellte.
Es formierte sich daraufhin eine Protestaktion. Im Juli 2015 schlossen sich die Betroffenen und Nachbarn zur Aktion und Initiative „Bizim Kotti“ zusammen. Sie prangerten damals in einem offenen Brief an die Hauseigentümer und die Verwaltung die desolaten Zustände des Wohnhauses an: „Das Gebäude verfällt, in den Wohnungen gibt es Schimmel in den Küchen, Bädern und Wohnzimmern. Toiletten und Abflüsse stinken, aus letzteren quillt Dreckwasser. Eine Familie hat seit vier Wochen kein Wasser in der Küche.“ Auf der Straße protestierten sie damals gegen die Erhöhung.
Nachbarn bestätigten im Gespräch mit Gründerszene, dass man auch noch heute auf Immobilieninvestoren in der Gegend nicht gut zu sprechen sei.