Politik

Polit-Krimi in Sachsen-Anhalt: „Uli, Uli, Uli“

Polit-Krimi in Sachsen-Anhalt: „Uli, Uli, Uli“
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Magdeburg/Berlin – Deutschland schaut auf Sachsen-Anhalt: In gut zwei Wochen könnte die AfD erstmals in ihrer Geschichte an die Macht kommen. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) führt die Umfragen an – und wird von seinen Gegnern als „gefährlichster Mann Deutschlands“ bezeichnet. BILD begleitet den Polit-Krimi im Endspurt: Wie nah ist Siegmund der Macht?

Montag

Die AfD hat in Weferlingen zum „Bürgerdialog“ eingeladen – Siegmund ist der Stargast. Er fühlt sich wohl unter seinen Anhängern, lächelt viel, macht Selfies. Das Publikum: Rentner, Handwerker, Familien mit kleinen Kindern und: Rechtsextreme. BILD sah mehrere Männer, die T-Shirts der „Heimattreuen Altmark“ tragen. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Bundeslands wird sie explizit dem Rechtsextremismus zugeordnet. Niemand scheint damit ein Problem zu haben.

Siegmunds Botschaft an seine Anhänger heute: Die AfD sei salonfähig, nicht extrem. „Wenn sie nach links und rechts gucken: Hier ist keiner rechtsextrem, hier ist jeder extrem im Recht.“

Dienstag

CDU-Ministerpräsident Sven Schulze kämpft um sein Amt, die CDU liegt in Umfragen weit hinter der AfD. Er versucht es mit Wirtschaft, besucht die Schweißtechnische Lehranstalt Magdeburg in Barleben – und ledert gegen die AfD. „Welche Lösungen hätte denn die AfD für die Zukunft? Ich sehe, dass sie Probleme sehr gut beschreibt, aber sie bietet keine Lösung“, sagt er BILD.

Einer offenen Diskussion um die Wirtschaftspolitik geht Siegmund in dieser Woche aus dem Weg. Seinen Auftritt beim Unternehmerforum der IHK Halle-Dessau sagt er kurzfristig ab. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier (61) sagt BILD: „Natürlich hat die Wirtschaft viele Fragen, und es ist sehr bedauerlich, wenn ein Austausch nicht zustande kommt.“ Es sei das dritte Mal gewesen, dass Siegmund zu einer Wahlveranstaltung der Wirtschaft einen Vertreter schickte.

Mittwoch

Plötzlich sind sich AfD und BSW ganz nah: Auf dem Marktplatz in Dessau gehen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) auf Tuchfühlung – keine 100 Meter voneinander entfernt halten beide getrennt ihre Wahlkampfveranstaltungen. Brisant: Das BSW könnte nach der Wahl zum Königsmacher für eine AfD-Regierung werden. Wird er an diesem Mittwoch die wenigen Meter zu Wagenknecht hinübergehen und mit ihr sprechen? „Nee, ich bin für die Bürger da“, sagt er BILD.

Siegmund hält keine Rede. Wie üblich macht er eine Autogramm- und Fotostunde. Unter einem blau-weißen AfD-Baldachin empfängt er seine Anhänger an einem Stehtisch. Siegmund begrüßt jeden mit Handschlag, sagt mit einem Lächeln: „Hi, ich bin Uli.“ Dann kurzer Smalltalk („Wo kommst du her?“). Siegmund signiert die letzte „Spiegel“-Ausgabe, Handyhüllen, T‑Shirts. Er schießt Hunderte Fotos mit seinen Anhängern.

Auch Ivonne Koch (41) und ihre Schwägerin Verena Koch (34) sind da. Sie wollen Siegmund wählen, weil er „Politik für Familien“ mache. Keine Kita-Gebühren, kostenloses Schulessen: Siegmund ist für sie „ein Mann des Volkes“.

Und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57)? Sie kritisiert wiederum von der Bühne Siegmund: „Wenn ich höre, dass Siegmund sogar ausschließt, bei relativer Mehrheit überhaupt anzutreten, heißt das ja, dass er dem CDU-Mann das Amt überlassen wird.“ Da müssten alle Alarmglocken klingeln. Ob sie die paar Meter zu Siegmund machen wird? „Es ist nicht mein Ding, zum AfD-Infostand zu gehen“, sagt sie BILD.

An der Basis funktioniert der Austausch besser. Christian Leist (66) ist auch zum AfD-Wahlkampfstand gekommen – um für das BSW Wahlwerbung zu machen. Viele AfD-Anhänger begegneten ihm offen, sie „versuchen sich fachlich mit mir auseinanderzusetzen“, so Leist.

Auch bei jungen Leuten kommt Siegmund gut an. Giuliano Salvatore Malafronte (18) und John-Lucas Hintze (18) wollen AfD wählen. Sie haben sich davor nicht für Politik interessiert. Über Gespräche und Social Media sind sie schließlich zu Siegmund gekommen.

Währenddessen platzt die nächste Polit-Bombe in Sachsen-Anhalt: Der CDU-Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, Bernd Prange (59), unterstützt öffentlich Siegmund. In einem Brief schreibt er, 10.000 Euro an die Rechtsaußen-Partei gespendet zu haben. Entsetzen in der Landes-CDU, Genugtuung in der AfD.

Donnerstag

Markttag im Städtchen Tangermünde. Thomas Staudt (52) steht an seinem Wahlkampfstand, er kandidiert für die CDU. Auf dem Tisch vor ihm liegen streng sortiert CDU-Flyer und Gummibärchen für die Passanten. 2021 hat er geschafft, was fünf Jahre später aussichtslos erscheint. Er hat den AfD-Kandidaten Siegmund im direkten Duell geschlagen. Sein Vorteil gegenüber Siegmund: „Ich war immer im Wahlkreis unterwegs, immer. Ich hoffe, dass das die Menschen ein Stück weit honorieren.“ Dass Staudt wieder das Direktmandat holen wird, daran glauben nur die allerwenigsten. Staudt bekräftigt trotzdem: „Ich kämpfe weiter bis zum Ende.“

Freitag

Kann ER für die CDU noch was bewegen? Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gilt als Leistungsträger im Kabinett von Kanzler Friedrich Merz. Beim Sommerfest des Kreisverbandes Stendal tritt er mit MP-Kandidat Sven Schulze auf, schreibt fleißig Autogramme. In seiner Rede macht er der Schwesterpartei Mut: „Wer auf der richtigen Seite steht, muss CDU wählen.“ Und Schulze? Grenzte sich von der AfD ab, die laut Wahlprogramm eine freiwillige Bürgerwacht einführen will. Das halte er für „Quatsch“, so Schulze.

Sonntag

Ein Politiker, der eine Menschenmenge teilt wie ein Popstar – diesen Status hat Ulrich Siegmund aktuell in Sachsen-Anhalt. Der Beweis: In Quedlinburg steuert er seinen blauen Simson-Motorroller durch tausende jubelnde Zuschauer: „Uli, Uli, Uli“, schallt es aus der Menge. Siegmund grinst. Gut zwei Wochen vor der Wahl ein Zeichen der Stärke. Ist der Mann noch aufzuhalten? Am 6. September gibt es darüber Klarheit.

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