Pjöngjang/Berlin – Vor gut einem Jahr kippte er beim Stapellauf um und schlug leck – jetzt ist der nordkoreanische Zerstörer „Kang Kon“ offenbar wieder einsatzbereit. Staatsmedien zufolge hat das Kriegsschiff einen atomwaffenfähigen Marschflugkörper getestet. Diktator Kim Jong-un (42) beobachtete die Tests bestgelaunt mit Sonnenhut und ließ den Zerstörer aus allen Rohren feuern. Seine Propaganda meldet, dass der ehemalige Pannen-Kahn in zwei Monaten seinen aktiven Dienst aufnehmen soll – unklar ist, was das genau bedeutet.
Der Zerstörer der 5000-Tonnen-Klasse erprobte neben dem Abschuss der für Kim wichtigsten Waffe auch seine Hauptkanone, automatische Geschütze und elektronische Kampfsysteme, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Auf Bildern ist zu sehen, wie das Kriegsschiff auf das offene Meer schießt, vermutlich an der Ostküste Nordkoreas am Ostmeer (Japanisches Meer).
Wie KCNA am Sonntag berichtete, wohnte Alleinherrscher Kim Jong-un bereits am Freitag dem Abfeuern von Marschflugkörpern sowie dem Einsatz von „Mitteln der elektronischen Kriegsführung“ an Bord des Marinezerstörers „Kang Kon“ bei. Kim versprach laut KCNA, Nordkoreas Entschlossenheit zum Erwerb „absoluter Macht“ unter Beweis zu stellen.
Blamage vor den Augen des Machthabers
Der Stapellauf der „Kang Kon“ im Mai 2025 war zu einer Blamage für Nordkorea geworden. Während der Zeremonie im Hafen von Chongjin rutschte ein Transportgestell am Heck ab und blieb KCNA zufolge stecken. Der Zerstörer kippte vor den Augen Kims um und schlug offenbar leck (BILD berichtete).
Der wutentbrannte Machthaber sprach damals von Kriminalität, Verantwortungslosigkeit und „unwissenschaftlichen Methoden“. Mindestens vier Personen wurden festgenommen. Das wahre Ausmaß der Schäden ließ sich wegen der extremen Geheimhaltung und Isolation Nordkoreas nicht unabhängig feststellen.
Schwesterschiff bereits in Dienst gestellt
Das Schwesterschiff des Zerstörers, die „Choe Hyon“, ist vergangene Woche mit einer pompösen Zeremonie in Dienst gestellt worden. Südkoreanische Regierungsvertreter und Experten gehen davon aus, dass beide Schiffe mit russischer Unterstützung gebaut worden sind. Sie bezweifeln allerdings, dass sie tatsächlich einsatzbereit sind.
Kim will Kriegsschiff-Fuhrpark
Kim treibt die Aufrüstung im Rekordtempo voran: Nach der Entwicklung ballistischer Raketen richtet der Despot sein Augenmerk zunehmend auf die Seestreitkräfte. Er hat gefordert, in den nächsten fünf Jahren jährlich zwei neue 5000-Tonnen-Kriegsschiffe zu bauen und einen noch größeren 10.000-Tonnen-Zerstörer zu entwickeln. Außerdem forderte er den Bau von Interkontinentalraketen, die von unter Wasser gestartet werden können.