Mehr als zehn Millionen Schmerzpatienten in Deutschland können hoffen: Das Münchner Biopharmaunternehmen Vertanical hat von der Arzneimittelzulassungsbehörde die Genehmigung für ein neues Medikament zur Behandlung chronischer Schmerzen erhalten, bei denen auch Nerven betroffen sind. Das teilte die Firma am Dienstag mit.
Anders als die üblichen Medikamente basiert Exilby jedoch nicht auf einem Opioid, sondern auf medizinischem Cannabis. Zwei Phase-3-Studien haben demnach nachgewiesen, dass Exilby bei Patienten mit sogenannten neuropathischen Schmerzen nicht nur eine signifikante und mehr als ein Jahr anhaltende Schmerzreduktion ermöglicht. Teilweise war die Wirkung sogar besser als Opioide. Das Medikament hat zugleich aber deutlich weniger Nebenwirkungen und reduziert die Gefahr von Abhängigkeiten.
Ab September in Deutschland erhältlich
Die Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln ist vor allem in den USA ein großes Problem. Das Land beklagt Hunderttausende Drogentote durch Überdosierungen. Auch in Deutschland sind solche Medikamente weit verbreitet, jedes Jahr werden hierzulande rund 20 Millionen Rezepte ausgestellt. Mit Exilby soll es nun eine Alternative geben, die laut Vertanical voraussichtlich ab September auf dem Markt sein kann. Voraussetzung dafür ist eine Einigung mit den Krankenkassen über den Preis des Medikaments in Deutschland.
„Bis heute beruht die medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzen in vielen Fällen auf Therapien, die entweder nur begrenzt wirksam sind oder mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen“, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Insbesondere Opioide werden mangels Alternativen trotz bekannter Risiken wie starker Nebenwirkungen, Abhängigkeit und Missbrauchspotenzial millionenfach eingesetzt. Für viele Betroffene bedeutet das einen schwierigen Kompromiss zwischen unzureichender Schmerzlinderung und einer oft nebenwirkungsreichen Therapie.“
Weiter heißt es: „Chronische Schmerzen gelten als eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin. Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Menschen betroffen – mehr als von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zusammen. Dennoch hat sich die pharmakologische Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten kaum weiterentwickelt mit erheblichen Folgen für Patienten, Gesundheitssysteme und Gesellschaft.“
Entwicklung durch kleines Unternehmen
Hinter der Entwicklung des Medikaments steckt kein großes Pharmaunternehmen, sondern eine Firma mit gerade mal maximal 200 Mitarbeitern aus der bayerischen Landeshauptstadt. Gegründet hat es Clemens Fischer, der mit seinem Mahlzeitersatz Yokebe und Kijimea, ein probiotisches Mittel gegen Reizdarm, sehr reich wurde und zu den wohlhabendsten Deutschen zählt.
WELT sagte Fischer: „Wir haben allein in Deutschland jährlich 20 Millionen Opioidverschreibungen. Unser Ziel ist es, langfristig Opioide zu ersetzen, nicht nur in Deutschland, auch weltweit.“
Weitere Märkte sollen erschlossen werden
Dafür investierte der 51-Jährige nach eigener Aussage mehrere Hundert Millionen Euro. „Durchschnittlich kostet eine Zulassung von einem neuen Wirkstoff bzw. einer neuen Medikamentenklasse ca. zwei Milliarden Dollar. Wir haben das für deutlich weniger geschafft, aber auch hunderte Millionen investiert, und zwar aus unseren Firmenverdiensten heraus raus“, so Fischer.
Neben Deutschland soll Exilby ab September auch in Österreich erhältlich sein. Weitere europäische Zulassungen seien zudem geplant, so das Unternehmen. Und auch auf den US-Markt drängt das Unternehmen nach eigener Aussage. „Eine weitere für die Zulassung in den USA maßgebliche Phase-3-Studie hat Vertanical bereits gestartet“, so das Unternehmen.