Berlin – Die Lage auf Deutschlands Flüssen spitzt sich zu. Die anhaltende Hitze sorgt für sinkende Pegelstände. Folge: Schiffe können nicht mehr voll beladen werden, es drohen sogar Fahrverbote. In BILD warnt Verkehrsminister Steffen Bilger (47, CDU) deshalb vor Versorgungsengpässen und fordert: Schlimmstenfalls müssen Lkw einspringen und auch an Feiertagen und Sonntagen fahren. „Das steht im Raum“, sagte Bilger. Doch es droht Zoff!
Denn die Brummi-Branche schlägt Alarm. Deutschlands Lkw-Boss Dirk Engelhardt macht in BILD klar: „Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots wird kaum etwas bringen.“ Grund: Die Fahrer müssten stattdessen an anderen Tagen freinehmen, um die Vorgaben der Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Heißt: Gewonnen wäre gar nichts.
Engelhardt weiter: „Außerdem fehlen in Deutschland zu viele Lkw-Fahrer. Ein weiterer Arbeitstag in der Woche lässt sich mit dem vorhandenen Personal nicht stemmen.“
ADAC: Schritt erscheine „gerechtfertig“
Beim ADAC zeigt man Verständnis für ein befristetes Aus fürs Sonn- und Feiertagsfahrverbot. Eine Sprecherin sagte gegenüber BILD, dass zwar vermutlich das Staurisiko steige und die Infrastruktur leide, doch „vor dem Hintergrund der Herausforderungen durch das Niedrigwasser“ erscheine der Schritt „gerechtfertigt“. Allerdings: Wichtig sei, dass die Maßnahme wirklich nur befristet gelte.
Unterstützung kommt auch von den Grünen. Tarik Al-Wazir (55), Verkehrsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, sagt zu BILD: „In einer akuten Notlage müssen Bund, Länder, Häfen, Bahn und Wirtschaft gemeinsam dafür sorgen, dass wichtige Lieferketten aufrechterhalten werden.“ Eine kurzfristige Ausnahme von dem Fahrverbot könne dabei sinnvoll sein.
Langfristig müsste die Binnenschifffahrt hingegen widerstandsfähiger gegen Niedrigwasser gemacht werden. „Und zwar vor allem mit Niedrigwasser-geeigneten Schiffen“, so Al-Wazir.