Sewastopol – Seit Wochen greift die Ukraine Brücken, Bahnstrecken, Straßen und Treibstofflager auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim an. Schon seit Tagen gibt es dort nur wenig Strom, der Verkauf von Kraftstoff wurde eingestellt und der Tourismus eingebrochen, Buchungen storniert. Jetzt ruft die von Moskau bestellte Regionalverwaltung sogar den Ausnahmezustand aus! Sie gilt ab 13 Uhr Ortszeit (12 Uhr deutscher Zeit).
„Die Einführung des Ausnahmezustands dient dazu, finanzielle, kreditbezogene, vertragliche und andere Rechtsverhältnisse zu ordnen sowie die Verfahren zur Regulierung und zum Ausgleich entstandener Schäden zu vereinfachen“, teilte jetzt der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow mit. „Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren und ausschließlich offiziellen sowie verlässlichen Informationsquellen zu vertrauen.“
Strom schon seit Tagen abgeschaltet
Seit Tagen liegt die Infrastruktur brach: Der Strom wurde vorübergehend abgeschaltet und der Verkauf von Kraftstoff wurde eingestellt, nachdem die Schwarzmeer-Halbinsel von einem massiven ukrainischen Angriff getroffen worden war. Unter anderem wurde Putins Prestigeprojekt, die Krim-Brücke zwischen dem Landweg und der Halbinsel, schwer getroffen.
„Die Energieinfrastruktur wurde durch feindliche Angriffe beschädigt, daher wird es auf der gesamten Krim zu vorübergehenden Stromausfällen kommen“, teilte der Regionalgouverneur schon am Donnerstag mit. Die Unterbrechung der Stromversorgung erfolge „gezielt“ und je nach Bedarf.
Aksjonow betonte, die Versorgung mit Lebensmitteln und wichtigen Medikamenten auf der Krim sei gesichert.
In Sewastopol, der größten Stadt der Schwarzmeer-Halbinsel, war am Mittwoch infolge der ukrainischen Angriffe der Strom ausgefallen. In der Nacht zum Donnerstag wurde die Krim nach russischen Behördenangaben erneut von ukrainischen Angriffen getroffen. Laut Aksjonow wurden dabei zwei Menschen getötet, darunter ein Kind.
Ukraine-Drohnen sorgen für neue Kriegslage
Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren nahezu täglich mit Luftangriffen. Zuletzt hatte die ukrainische Armee ihre Gegenangriffe verstärkt. Sie greift nach Angaben Kiews neben militärischen Zielen vor allem die russische Öl- und Energieinfrastruktur an, um Russlands Kriegskasse zu schwächen. Auf der Krim war am Sonntag aufgrund der ukrainischen Attacken der Verkauf von Treibstoff eingestellt worden.
Die Ukraine erklärte, sie habe bei einem der schwersten Angriffe auf die Halbinsel in den vergangenen Monaten militärische Einrichtungen und Energieanlagen auf der Krim ins Visier genommen. Die Krim dient Moskau als wichtiger Logistikstützpunkt für seine seit vier Jahren laufende Militäroffensive.