Bonn (NRW) – Und wieder eine Sperrung wegen einer Bröckel-Brücke! Die viel befahrene Rheinbrücke in Bonn ist so marode, dass sie am Mittwochnachmittag dichtgemacht wurde – auf unbestimmte Zeit. Die Brücke ist Teil der A565 und die wichtigste Verbindung zwischen Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. Täglich fahren 100.000 Autos darüber. Der ADAC spricht von einer „Vollkatastrophe für die Region“. Erst in zwei Wochen soll es Gewissheit geben – wie lange die Strecke gesperrt bleibt. Doch sie ist nicht die einzige Bröckel-Brücke in Deutschland.
Schon seit Jahren sorgen instabil gewordene Viadukte im ganzen Land für Schlagzeilen und ihre Sperrungen für Staus. Laut einer Studie gelten deutschlandweit rund 16.000 Brücken als alt und marode. Die jetzt komplett gesperrte Rheinbrücke wird nur eine Großbaustelle von vielen. BILD zeigt die zehn schlimmsten Bröckel-Brücken.
Rheinbrücke Neuenkamp
Die A40-Brücke, 1970 gebaut, war eigentlich für 30.000 Fahrzeuge täglich geplant. Heute rollen dreimal so viele Autos, Lkw und Motorräder über die Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein (Nordrhein-Westfalen). Seit 2020 wird nun an einem neuen Brückenbauwerk gearbeitet, das 2028 fertig werden soll.
Donaubrücke Sinzing
Die Donaubrücke der A3 in Sinzing bei Regensburg (Bayern) steht vor dem Neubau. Sie ist zwar nicht voll gesperrt – das allerdings nur, weil zuletzt umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen am Fahrbahnbelag und an der Brückenkonstruktion durchgeführt wurden. Der Verkehr rollt momentan in beiden Fahrtrichtungen über verengte Fahrstreifen. Wie wichtig die Donaubrücke Sinzing für die Region und den Wirtschaftsraum Regensburg ist, zeigen die Zahlen: Rund 55.000 Fahrzeuge überqueren laut ADAC die Brücke täglich auf der wichtigen Ost-West-Achse der Autobahn A3. Knapp 23 Prozent davon sind Lastwagen.
Wann die Bauarbeiten beginnen, steht noch nicht fest.
Moseltalbrücke Winningen
Die Moseltalbrücke der A61 bei Winningen (Rheinland-Pfalz) wurde 1972 errichtet und muss jetzt wegen ihres Alters umfangreich saniert und verstärkt werden. Auslöser waren die Ergebnisse einer Hauptprüfung Ende 2022: Experten entdeckten Risse an Schweißnähten und stellten eine fortgeschrittene Materialermüdung im Stahlüberbau fest.
Seitdem gelten auf der Brücke Tempolimits: Autos dürfen höchstens 80 km/h, Lkw maximal 60 km/h fahren. Für Lastwagen bis 44 Tonnen gilt außerdem ein Mindestabstand von 50 Metern sowie ein Überholverbot. Großraum- und Schwertransporte dürfen die Brücke nicht mehr nutzen. Seit September 2024 laufen die Vorarbeiten für die Instandsetzung der 935 Meter langen Brücke. In aktuellen Mitteilungen der Autobahn GmbH des Bundes sollen die Hauptarbeiten in diesem Jahr starten.
Westhofener Kreuz
Im Westhofener Kreuz (NRW) läuft die Erneuerung von gleich mehreren Brücken aus dem Jahr 1961. Die vier Bauwerke, die die A1 über die A45 führen, werden nacheinander ersetzt. Damit der Verkehr auf der A1 möglichst ungestört weiterfließen kann, wurde eine Behelfsbrücke errichtet. Im April wurden zehn 30 Meter lange und 40 Tonnen schwere Brückenträger für den Ersatzneubau aufgelegt. Auf der A1 sind täglich bis zu 110.000 Fahrzeuge unterwegs, auf der A45 durchschnittlich 90.000 pro Tag. Nach dem Abriss des ersten Teilbauwerks im September 2025 und dem Neubau von Widerlagern und Mittelpfeiler konnten nun die Träger für die spätere Fahrbahnplatte montiert werden. Die folgenden Arbeiten sollen bei laufendem Verkehr auf der A45 stattfinden.
Carolabrücke Dresden
Am 11. September 2024 stürzte eine Fahrbahn der Carolabrücke (1971 erbaut) in Dresden in die Elbe. Der DDR-Stahl war durchgerostet, Materialermüdung. Doch auch die beiden stehen gebliebenen Brückenzüge sind laut Stadtverwaltung „fragile Bauteile“ und mussten abgerissen werden. Dabei hatte man sie erst 2019 für 12,5 Mio. Euro saniert. Laut ADAC wird der Wiederaufbau (ab 2028) der Carolabrücke nun rund 140 bis 170 Millionen Euro kosten.
Rahmede-Talbrücke
Ihre Sperrung hatte massive Auswirkungen auf die ganze Region! Die Rahmede-Talbrücke der A45 im Sauerland (NRW) galt als kaputteste Brücke Deutschlands, musste im Dezember 2021 wegen Einsturzgefahr komplett gesperrt werden. 2023 wurde sie gesprengt, im Dezember 2025 das erste Teilbauwerk wiedereröffnet. Trotzdem: Tausende Lkw mussten während der Sperrung Riesen-Umwege fahren, Pendler brauchten viel länger. Geschätzter wirtschaftlicher Schaden: 1,5 Milliarden Euro!
Leverkusener Rheinbrücke
Vor fast 20 Jahren wurden die ersten Risse und Schäden an der A1-Brücke, die eine der wichtigsten Rheinquerungen Deutschlands ist, festgestellt. 2012 wurde die Rheinbrücke bei Köln dann erstmals für Lkw über 3,5 Tonnen gesperrt. Erst wurde noch versucht zu reparieren, aber nichts half. 2017 wurde dann mit dem Bau der ersten neuen Brückenhälfte begonnen, die zweite soll Ende 2027 fertig sein.
Norderelbbrücke Hamburg
Die A1-Brücke bei Hamburg gilt als das nächste große Projekt. Sie ist zwar nicht einsturzgefährdet wie die Rahmede-Talbrücke, gilt aber als sehr sanierungsbedürftig. Die Vorbereitungen für den Neubau laufen, losgehen soll es Ende dieses Jahres. Geschätzte Bauzeit: mindestens drei Jahre.
Ringbahnbrücke Berlin
Am 6. März 2025 war in der 240-Meter-Spannbetonbrücke der A100 in Berlin bemerkt worden, dass ein längst bekannter Riss plötzlich größer war. Nach einer Untersuchung folgte die Vollsperrung, dann fiel am 2. April die Entscheidung: sofortiger Abriss! Keine drei Wochen später war die Autobahnbrücke aus dem Jahr 1963 verschwunden – und das, obwohl es die meistbefahrene Autobahn Deutschlands ist (200.000 Fahrzeuge täglich). Im Sommer 2027 soll der Neubau (150 Mio. Euro teuer) stehen, bis dahin bleibt die A100 am Funkturm Berlins schlimmste Stau-Stelle.
Sauertalbrücke
Die Sauertalbrücke der A64 ist 98 Meter hoch und 1200 Meter lang. Das Bauwerk ist fast 40 Jahre alt und deshalb sanierungsbedürftig. Eigentlich sollten die Arbeiten bereits gestartet sein, wurden aber verschoben und sollen nun 2027 beginnen. Die Brücke gilt als eine der wichtigsten Pendler- und Lkw-Strecken zwischen Deutschland und Luxemburg.