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Nach mehr als einem Jahrhundert: Die nervigste Grenze Europas ist weg

Nach mehr als einem Jahrhundert: Die nervigste Grenze Europas ist weg
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Cádiz/Gibraltar – Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet. Der Abbau des im Jahr 1908 errichteten, symbolträchtigen und etwa einen Kilometer langen Metallzaunes soll diese Woche beginnen.

Der spanische Außenminister José Manuel Albares (54) sprach von einem „historischen“ Ereignis. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten „die Hände reichen“, sagte der Minister der linken Regierung mit Blick auf die Inbesitznahme Gibraltars durch Großbritannien im Jahr 1704.

Möglich wurde der Schritt durch das im Februar vereinbarte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien, das am Mittwoch in Kraft trat. Ab sofort können Menschen und Waren die Grenze ohne Kontrollen überqueren. Im Gegenzug wird Gibraltar eng an den Schengen-Raum und neue EU-Zollregeln angebunden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.

Wartezeiten von mehreren Stunden!

Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler. Sie fahren täglich zwischen der strukturschwachen Stadt La Línea de la Concepción in Andalusien und Gibraltar häufig. Häufig mussten sie, vor allem in der Hauptverkehrszeit, lange Wartezeiten an der Grenze in Kauf nehmen. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.

Streit um Souveränität geht weiter

Paradoxerweise ebnete ausgerechnet der Brexit den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Großbritannien verlassen. Nach jahrelangen Verhandlungen verständigten sich die Beteiligten schließlich auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne aber den Souveränitätsstreit zu lösen. Spanien betrachtet Gibraltar am Südzipfel des Landes als „Kolonie“ und als illegal besetztes Gebiet.

„Das Abkommen sichert langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, während es die Souveränität des Vereinigten Königreichs und Gibraltars verfassungsrechtliche Position schützt“, sagt eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer (63).

Diktator machte die Grenze dicht

Britische Medien bezeichnen den Schritt als größte Änderung von Gibraltars Status, seit es zu einem Teil Großbritanniens wurde. Es sei ironisch, dass ausgerechnet der Brexit dazu geführt habe, schrieb das Portal „Politico“.

Der Streit führte immer wieder zu Spannungen zwischen Madrid und London. 1969 wurde die Grenze vom Diktator Francisco Franco (†82) sogar geschlossen. Erst 1982 wurde sie für Fußgänger wiedereröffnet, drei Jahre später – ein Jahrzehnt nach dem Tod des spanischen Gewaltherrschers – auch für Fahrzeuge.

Das nur 6,5 Quadratkilometer große Gebiet – etwa so groß wie die ostfriesische Insel Baltrum – ist bekannt für seine frei lebenden Berberaffen und den Felsen Rock of Gibraltar. Seit mehr als drei Jahrhunderten ist Gibraltar ein Zankapfel zwischen Madrid und London. Es wurde 1704 von Großbritannien in Besitz genommen und 1713 von Spanien im Rahmen des „Friedens von Utrecht“ abgetreten.

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