St. Tönis (Nordrhein-Westfalen) – 31 Jahre suchten die Ermittler den Mörder von Sonja K. (24). Mehr als drei Jahrzehnte später konnten sie endlich einen Mann festnehmen. Ein DNA-Abgleich führte die Polizei zu dem Verdächtigen. Er hatte in der Lidl-Filiale, die das Opfer damals leitete, bis kurz vor der Tat als Ladendetektiv gearbeitet. Diese Information gaben die Ermittlungsbehörden am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt.
Der beschuldigte Italiener (59) ist laut den Ermittlern in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er wurde bereits am vergangenen Donnerstag in seiner Wohnung in Krefeld (NRW) festgenommen. Am Folgetag wurde Untersuchungshaft angeordnet. Bis Ende 1994 war er sporadisch als Ladendetektiv in dem Lidl-Markt eingesetzt, in dem die damals erst 24‑jährige Sonja K. als Filialleiterin arbeitete.
Der Verdächtige soll am 25. Januar 1995 an dem Raubüberfall auf den Lidl-Markt beteiligt gewesen sein. Sonja K. soll damals kurz vor dem Kundenandrang noch schnell Regale eingeräumt haben, als sie von den Räubern überrascht wurde. Über welchen Eingang sich die Kriminellen in den Discounter geschlichen hatten, ist weiter unklar.
Opfer mit Klebeband gefesselt
Sicher hingegen ist, dass die Täter über die Frau herfielen und sie fesselten. Dabei banden sie ihre Hände auf dem Rücken mit Klebeband zusammen und wickelten es über ihren Mund. Mit ihrem Schlüssel, von dem bis heute jede Spur fehlt, öffneten sie den Tresor und raubten mehrere Tausend Mark. Eine Mitarbeiterin fand die leblose Filialleiterin in der Toilette und setzte einen Notruf ab.
Doch die Retter konnten Sonja K. nicht mehr wiederbeleben. Die Obduktion ergab, dass die Frau erdrosselt wurde. Das Motiv? Unklar. Hatte sie vielleicht den Ladendetektiv erkannt? Der Tatverdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Er könnte jedoch den Ermittlern helfen, seine noch unbekannten Mittäter zu finden.
Tatverdächtiger gab Speichelprobe ab
Bereits bei den Ermittlungen vor 31 Jahren galt der 59-Jährige zeitweise als Verdächtiger. Die Ermittler hatten damals auch den Chef der Detektei am Niederrhein, für die der Italiener damals arbeitete, im Visier. Als es den Ermittlern mit den neuesten Techniken 2025 gelang, aus den damaligen Asservaten eine DNA-Spur zu extrahieren. Damit schlossen die Ermittler zunächst Personen aus dem Umfeld des Opfers und die damaligen Rettungskräfte aus, deren DNA-Spuren erklärbar waren.
Anfang 2026 wurden aus dem Umfeld der Detektei von etwa 30 bis 40 Personen Speichelproben genommen, auch der Italiener gab eine ab. Bald darauf gab es einen Treffer. Laut der ermittelnden Hauptkommissarin Stefanie Kohnen gab es „eine hohe Übereinstimmung“.
Zwar sind die Eltern von Sonja K. inzwischen verstorben, ohne zu wissen, wer ihre Tochter ermordet hat. Aber ihre beiden Brüder haben zeitnah von der Festnahme des Verdächtigen erfahren. Auf diese Nachricht hatten sie mehr als 31 Jahre gewartet.