Frankfurt – Als Ärztin schwor sie, das Leben zu schützen. Trotzdem war die Frau bereit, einen Femizid zu begehen: Das Mordkomplott eines 47-Jährigen und seiner Mutter (70) gegen eine junge Frau offenbart kaum vorstellbare Abgründe einer Eltern-Kind-Beziehung.
Der Fall begann am Sonntagnachmittag am Mainufer in Frankfurt: „Nach den (…) Ermittlungen befand sich das 37-jährige Opfer gegen 15 Uhr mit einem Begleiter im Bereich des Mainkais in Höhe des Eisernen Stegs, als die 70-jährige Tatverdächtige, die das Opfer zunächst in der Innenstadt verfolgt haben soll, unvermittelt von hinten an sie herangetreten, sie an den Haaren gezogen und mit einem Messer angegriffen haben soll“, heißt es im Polizeibericht.
Nach BILD-Informationen war die Angreiferin Dr. Luise H., eine verwitwete Ärztin. „Dem Begleiter des Opfers gelang es unter Mithilfe eines anwesenden Zeugen, die Tatverdächtige von der 37-Jährigen zu trennen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten“, heißt es in dem Bericht weiter. „Das Opfer erlitt … oberflächliche Schnittverletzungen im Hals- und Gesichtsbereich. Der 33-jährige Zeuge trug eine Schnittverletzung am Finger davon.“
Sohn durfte sich seiner Ex nicht mehr nähern
Schnell fand die Polizei heraus: Dr. H. ist die Mutter von Dr. Alexander H., dem ehemaligen Lebensgefährten der 37-Jährigen. Sie hatte bei Gericht ein Kontakt- und Annäherungsverbot gegen ihn erwirkt. Daraufhin steigerte sich der Hass von Mutter und Sohn auf sie offenbar ins Mörderische.
47-Jähriger mit scharfer Waffe unterwegs
Die Kripo ermittelte nach BILD-Infos, dass der 47-Jährige noch am Sonntagabend in Richtung der Wohnung des Opfers fuhr, dann aber abdrehte. Gegen 23.30 Uhr wurde Alexander H. vor seiner Wohnung festgenommen. In seinem Auto lagen eine scharfe Schusswaffe, Munition und ein Messer. Nachbarn berichten, Polizisten hätten ihn aus seinem Auto geholt, er habe dabei immer wieder gerufen: „Ich habe damit nichts zu tun, ich habe nichts getan.“
Am Montag erging U-Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung gegen Dr. Luise H., einen Tag später gegen ihren Sohn. Oberstaatsanwalt Dominik Mies sagt: „Womöglich wurde durch die schnellen Ermittlungen und die Festnahme des Mannes verhindert, dass eine junge Frau getötet wird. Ich muss es deutlich sagen: Ohne die Festnahme wäre es sonst möglicherweise zu einem Femizid gekommen.“
Sohn will von nichts gewusst haben
Der Verteidiger von Dr. Alexander H., Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger, erklärt auf BILD-Anfrage: „Ich habe meinen Mandanten heute in der Untersuchungshaft getroffen. Mein Mandant ist zutiefst geschockt von dem, was passiert ist, und auch von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er bestreitet die Tatvorwürfe klipp und klar. Er hat keinerlei Erklärung dafür, was seine Mutter getan haben soll. Er war in angebliche Pläne in keiner Weise eingeweiht.“
Laut ihres Verteidigers schweigt Dr. Luise H. zu dem Tatvorwurf.