Berlin – Das gab es noch nie. 40.000 Polizisten schlagen auf fünf Kontinenten an vier Tagen gleichzeitig zu: Bei der bislang größten internationalen Razzia gegen Menschenhandel nehmen Ermittler 1.024 Tatverdächtige fest und identifizieren 2.070 Opfer. Die unter dem Codenamen „GLOBAL CHAIN“ durchgeführte Aktion richtet sich gegen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, zur Ausnutzung für Straftaten und zum erzwungenen Betteln. Besonders im Fokus: minderjährige Opfer.
Sexuelle Ausbeutung dominiert! Die überwiegende Mehrheit der Opfer ist weiblich und erwachsen. 64,2 Prozent der Fälle betreffen sexuelle Ausbeutung, 20,9 Prozent Zwangskriminalität, 11,3 Prozent Zwangsarbeit, 1,5 Prozent erzwungenes Betteln und 2,1 Prozent sonstige Formen der Ausbeutung.
Bei Minderjährigen ist der Anteil der sexuellen Ausbeutung noch deutlich höher: 86,4 Prozent der geschleusten Jugendlichen werden sexuell ausgebeutet. Weitere 6,2 Prozent müssen Zwangsarbeit leisten, 3 Prozent werden zum Betteln gezwungen, rund 0,6 Prozent zur Zwangskriminalität wie Taschendiebstahl.
Opfer stammen aus 45 Ländern
Nach Angaben von Europol stammen die Opfer aus 45 Staaten, besonders häufig aus Kolumbien, Argentinien, Venezuela, Nepal und Moldau. Viele werden über Landes- und Kontinentsgrenzen hinweg verschleppt. Häufig erschwert zusätzlich, dass Familienangehörige die Betroffenen ausbeuten, ihren Schutz.
Die Razzia fand vom 8. bis 12. Juni 2026 statt und wurde von Europol, Frontex und INTERPOL koordiniert. Behörden aus 59 Ländern beteiligten sich. Insgesamt identifizierten die Ermittler 2.070 Opfer, darunter 1.908 Erwachsene und 162 Minderjährige. Sie nahmen 1.024 Tatverdächtige fest, davon 334 wegen des Verdachts auf Menschenhandel. Weitere 690 wurden wegen anderer Straftaten festgenommen. Außerdem identifizierten die Ermittler 201 weitere mutmaßliche Menschenhändler, leiteten 465 neue Ermittlungsverfahren ein und deckten 80 Fälle von Dokumentenfälschung auf.