Budapest (Ungarn) – Der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar will die frühere Schachspielerin Judit Polgar zur neuen Präsidentin des Landes machen. Magyar erklärte am Sonntag auf Facebook, er werde sich am Montag mit der 49-Jährigen treffen und ihr die Nominierung für das weitgehend repräsentative Amt antragen. Sie könne die Einheit der Nation verkörpern, schrieb er weiter. Ihr Name sei seit Jahrzehnten ein Synonym für Talent und Ausdauer. Eine Stellungnahme Polgars lag zunächst nicht vor.
Der Vorstoß folgt auf eine Verfassungsänderung, die die Amtszeit des bisherigen Staatsoberhaupts Tamas Sulyok beendet. Sulyok hatte das von Magyars Regierungspartei Tisza verabschiedete Gesetz am Samstag unterzeichnet. Die Maßnahme ist Teil der Bemühungen Magyars, die Machtstrukturen des im April abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orban abzubauen. Das Parlament, in dem die Tisza-Partei über eine Zweidrittelmehrheit verfügt, wird nun einen neuen Präsidenten wählen. Das neue Staatsoberhaupt soll im Amt bleiben, bis eine geplante neue Verfassung in Kraft tritt, längstens jedoch fünf Jahre.
Polgar gilt als die wohl beste Schachspielerin der Geschichte. Sie gewann 1988 gemeinsam mit ihren Schwestern Zsuzsa und Zsofia sowie Ildiko Madl die Schacholympiade mit dem ungarischen Frauenteam und beendete damit die Dominanz der Sowjetunion. In ihrer Karriere trat sie regelmäßig bei Turnieren gegen Männer an und etablierte sich in der männlich dominierten Sportart an der Weltspitze. Sie ist die einzige Frau, die jemals die Marke von 2700 Elo-Punkten überschritten hat, was in Schachkreisen als „Super-Großmeister“-Niveau gilt. (Reuters/ias)