Dresden – Wer bei der sächsischen Polizei aufsteigt, bekommt normalerweise mehr Verantwortung, mehr Geld – und neue Sterne auf die Schulter. Doch ausgerechnet daran hapert es jetzt.
Der sächsische Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa (62) hat einen ungewöhnlichen Hilferuf an sämtliche Polizeidirektionen, das Landeskriminalamt, die Bereitschaftspolizei, die Polizeihochschule und sogar das Innenministerium verschickt. Das Schreiben liegt BILD vor.
Konkret fehlen sogenannte „Aufschiebschlaufen POM“ – die Uniform-Abzeichen für Polizeiobermeister mit drei blauen Sternen. Und zwar so sehr, dass die Behörde jetzt ihre eigenen Beamten zum Sammeln aufruft. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Es wird mitgeteilt, dass gegenwärtig extreme Lieferschwierigkeiten bei den Aufschiebeschlaufen POM (drei Sterne, blau) bestehen.“ Noch deutlicher wird die Lage beim Blick auf den Nachschub: „Mit dem Eingang der regulären Lieferung ist nicht vor Ende des Jahres zu rechnen.“ Mit anderen Worten: Sterne-Mangel in Sachsen.
Beförderungen in Gefahr
Damit Beförderungen trotzdem nicht an fehlenden Uniformteilen scheitern, bittet die Polizeiführung nun alle Beamten, ihre nicht mehr benötigten Schulterstücke wieder abzugeben. Die Anweisung liest sich wie eine peinliche Mischung aus Kleidersammlung und Amtshilfe. „Alle uniformierten Polizeivollzugsbediensteten“ würden „dringend gebeten“, ihre alten Aufschiebeschlaufen zurückzugeben oder direkt an das Zentrallager zu schicken. Die gebrauchten Exemplare sollen anschließend wieder ausgegeben werden – ausdrücklich „insbesondere im Rahmen von Beförderungen“.
Aus Alt mach Aufstieg
Wer also vom Polizeimeister zum Polizeiobermeister befördert wird, könnte künftig Sterne tragen, die zuvor bereits auf den Schultern eines Kollegen ihre Dienstzeit absolviert haben.
Offiziell sind Lieferprobleme schuld. Doch aus Polizeikreisen ist zu hören, dass ein übertriebener Sparkurs mitverantwortlich sei: Die finanzielle Lage sei derzeit so angespannt, dass jede Möglichkeit genutzt werde, Ausgaben zu begrenzen. Selbst bei vergleichsweise kleinen Uniformteilen werde inzwischen genau hingeschaut.
Für die Beamten bleibt die ungewöhnliche Situation trotzdem bemerkenswert: Beförderungen scheitern in Sachsen derzeit nicht an fehlenden Stellen, nicht an fehlenden Urkunden – sondern ausgerechnet an drei blauen Sternen.