Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) – Ein Jahr ist es her, dass Fabian (8) zum letzten Mal „Hab dich ganz doll lieb bis nachher“ zu seiner Mama sagte. Nur, dass es kein Nachher gab. Am 10. Oktober 2025 wurde der Junge ermordet. Während in Rostock der Prozess läuft, gibt es in Güstrow nur Trauer. Aber auch die Gewissheit, dass Fabian nie vergessen wird.
Vor der Haustür von Fabians Mutter liegen noch immer Kuscheltiere für den Achtjährigen. An seiner Grundschule haben die Kinder im Frühjahr einen Kugelahorn als Erinnerung gepflanzt. An den Ästen hängen Blümchen aus Holz – auf einem steht nur ein Wort: Fabi. Ein Ort, der den Kindern heilig ist, wie der Schulleiter erklärt. Hier können die Kinder jederzeit trauern.
Bilder und Karten erinnern an Fabian
Im Jugendklub „Alte Molkerei“ erinnert alles an Fabi. An der Wand hängt ein großes buntes Gemälde. Es zeigt ihn als Engel auf einer Wolke. Für seinen Todestag haben die Kinder Karten gebastelt: mit Fotos und guten Wünschen. Kerzen sind vorbereitet. An einer Tafel stehen Worte für Fabian. „Kleiner lieber Freund, komm wieder.“ Ein Wunsch, der nie erfüllt wird.
Zwei Jahre lang kam Fabian regelmäßig mit seinem Fahrrad hierher. Er stand gern am Herd, rührte im Plätzchenteig oder lernte, mit Pfeil und Bogen zu schießen. Der Junge nahm gern an Ausflügen teil oder half beim Streichen der Wände. Alles Vergangenheit.
Die Erinnerungen an Fabi enden nicht an der Tür des Jugendklubs. Am Tor zum Fußballplatz des ETSV Güstrow wirbt ein Plakat für neue Spieler für die Lokzwerge. Fabian hatte hier in der F-Jugend gekickt. Auf dem Platz blühte der sonst schüchterne Junge auf. Sein erstes Punktspiel sollte er am Mittwoch nach seinem Verschwinden bestreiten. Dazu kam es nie. Seine Nummer 15 soll ihm zu Ehren niemals mehr ein anderer Spieler des Vereins tragen.
Als die Mutter heimkam, war Fabian verschwunden
Vor einem Jahr verschwand der Achtjährige aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow. Fabian war krank, blieb allein zu Hause. „Ich bin ja schon groß“, hatte er versichert. Doch als sie nach Hause kam, war er weg. Zurück blieben sein Handy und seine Jacke. Wenige Tage später wurde seine Leiche bei Klein Upahl gefunden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll die Lebensgefährtin von Fabians Vater, Gina H. (30), den Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt haben. An einem Tümpel soll sie ihn mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet haben. Ein Mord aus Eifersucht, Geldsorgen und Verlustängsten? Die Angeklagte bestreitet die Tat. Derzeit läuft vor dem Landgericht Rostock der Mordprozess gegen sie. Am 10. November 2026 wird das Urteil erwartet.
Egal, wen man in Güstrow fragt: Jeder erinnert sich an Fabian. „Es ist tragisch und unverständlich. Die Seele kann nicht ruhen, bis das aufgeklärt ist. Ich befasse mich viel damit. Es ist alles nicht begreiflich. Ich hoffe, dass es bald aufgeklärt wird“, sagt Virginie Völkner (26) aus Krakow am See – eine Freundin von Fabians Familie.
In der evangelischen Pfarrkirche in Güstrow ist Heiko Kopp (61) seit acht Jahren Küster. „Zu den Ferienzeiten haben wir immer Schulklassen hier. Ich glaube, Fabians Klasse war auch da und hat eine Führung mitgemacht“, erinnert sich der Küster. Wie es war, als Fabians Leiche damals gefunden wurde, an diesem 14. Oktober 2025, weiß er noch genau. In kürzester Zeit hatte die Kirche einen Gedenkgottesdienst für Fabian auf die Beine gestellt. Die rund 700 Plätze waren alle besetzt. Ein zweiter Gottesdienst wurde aufgrund des großen Andrangs sogar auf Leinwänden nach draußen übertragen. „Fabian ist nicht vergessen und das geht den Leuten immer noch nahe. Solange dieser Fall nicht wirklich abgeschlossen ist, wird auch die Geschichte immer weiterleben“, sagt er zu BILD.
Auf seinem Grab steht eine Fußballfigur
Wie sehr Fabians Tod die Menschen in Deutschland bewegt, wird am Grab des Achtjährigen spürbar. Klaus (68) und Erika Walther (72) aus Stolberg (Harz) zündeten eine Kerze an und legten eine rote Gerbera nieder. „Wie kann ein Mensch so etwas machen?“, fragt Erika Walther und ist den Tränen nah. „Das hat mich so mitgenommen, was ich gelesen habe, dass man auch in den sozialen Medien die Mutter beschuldigt. Wir haben auch Kinder und Enkelkinder, deshalb geht uns das besonders nahe.“
Auf Fabians Grab steht ein kleiner Playmobilfußballer. Und da liegen ganz viele Herzen. Eines ist besonders groß. „Mama ist immer bei dir. Ich trage dich auf ewig in meinem Herzen, meine kleine Pummelbacke, mein Sonnenschein“, steht auf ihm geschrieben.