Politik

Kommentar von BILD-Chef Robert Schneider: Freiberufler sind kein Freiwild

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Berlin – Wann immer zusätzliche Steuereinnahmen oder Beiträge benötigt werden, fallen unseren Politikern zuverlässig die Freiberufler und Selbständigen ein.

Aktuelle Beispiele: die geplante Renten- und Steuerreform. So sollen sie künftig in die gesetzliche Rentenversicherung gezwungen werden, nachdem man ihnen jahrzehntelang beigebracht hatte, für ihr Alter selbst vorzusorgen. Doch jetzt werden die Beiträge der Handwerker, Klein-Gewerbetreibenden oder Restaurantbetreiber benötigt.

Die diskutierte Erhöhung des Spitzensteuersatzes zur Finanzierung der geplanten Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen würde sie besonders hart treffen, da Freiberufler Einkommensteuer auf ihr Betriebsergebnis zahlen.

Und nach den Vorstellungen von Arbeitsministerin Bärbel Bas soll künftig auch für Freiberufler und Selbstständige das Tariftreuegesetz gelten, dem zufolge staatliche Aufträge nur noch erhält, wer seinen Beschäftigten Gehälter und Arbeitsbedingungen nach Tarif bietet.

Selbständige und Freiberufler tun viel für dieses Land, halten es in vielen Bereichen am Laufen. Sie sind leistungsbereit und -fähig, sie übernehmen Verantwortung für ihre Betriebe und brauchen unternehmerischen Mut. Und: Sie erwirtschaften gut zehn Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Doch statt Dank ernten sie staatliche Gängelei und eine Kultur des Misstrauens, vor allem der Steuerbehörden. Kein Wunder, dass sich immer weniger auf das Risiko Selbstständigkeit einlassen.

Unser Staat und unsere Politiker lieben Konzerne und Angestellte. Die sind berechenbar, vor allem bei Steuern und Abgaben. Mein Verdacht: Schon das Wort „Frei“ in Freiberufler ist vielen Staatsvertretern suspekt.

Selbständige neigen zu Selbstbewusstsein bis hin zum Eigensinn. Denn sie stehen in jeder Hinsicht auf eigenen Beinen. Sie sind das Salz der Innovation in der Suppe jeder Wirtschaft und Gesellschaft.

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