Wirtschaft

Jede fünfte Firma in Deutschland verzichtet ganz auf Investitionen

Jede fünfte Firma in Deutschland verzichtet ganz auf Investitionen

Unternehmen in Deutschland bleiben bei ihren Investitionen zurückhaltend. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach verzichtet jede fünfte Firma ganz auf Investitionen. Die Ergebnisse der Studie lagen WELT AM SONNTAG exklusiv vorab vor.

Die Ökonomen haben knapp 1000 heimische Unternehmen befragt. Darunter branchenübergreifend sowohl mittelständische als auch große Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeitern. Der zentrale Befund: 19 Prozent der Unternehmen verzichteten zum Zeitpunkt der Befragung im März auf Investitionen. Gründe dafür gebe es in allen Konjunkturlagen, sagt Co-Autor Michael Grömling, etwa dass die Finanzierung oder die benötigten Investitionsgüter fehlten oder dass Unternehmen schlicht keinen Bedarf hätten.

Die aktuelle Situation sei allerdings eine veritable Investitionskrise, sagt Grömling und spricht von der „längsten Investitionsschwäche in Deutschland“. Auch Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Vergleichbar schlecht war die Investitionsstimmung zuletzt während der Corona-Pandemie. Die aktuellen Ergebnisse seien auch von der politischen Lage in Nahost beeinflusst, heißt es in der Untersuchung. Gleichzeitig spiegelten sie aber langfristige Entwicklungen am Standort Deutschland wider.

Woran liegt es? Das IW, das von Arbeitgebern und Unternehmen finanziert wird, spricht von einer „eingeschränkten Qualität des Investitionsstandortes“. Die Zahlen der Umfrage lassen das auf den ersten Blick kaum vermuten: 67 Prozent der Unternehmen und damit mehr als zwei von drei investieren gerade „nur in Deutschland“.

Lediglich zwei Prozent zielten mit ihren Investitionen vorwiegend oder nur auf das Ausland. Die Autoren der IW-Studie warnen allerdings davor, aus den Zahlen zu schließen, dass der Investitionsstandort Deutschland beliebt sei. Die kleineren Betriebe, die aktuell überhaupt Geld in die Hand nehmen, handelten „aus Alternativlosigkeit“. So müssten sie etwa Arbeitsplätze auf dem neuesten Stand halten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Als Beleg für den Quasi-Zwang zu inländischen Investitionen verweisen die Verfasser auf das deutlich andere Investitionsverhalten größerer Unternehmen. Von denen investieren 13 Prozent vor allem oder sogar nur im Ausland. Der Grund laut IW: Der Mittelstand, zu dem ein Großteil der Betriebe in Deutschland gehört, sei oft ausschließlich im Inland aktiv.

77 Prozent nennen Arbeitskosten als Ursache

Nach Hindernissen für Investitionen hierzulande befragt, nannten 77 Prozent der befragten Firmen die hohen Arbeitskosten. 69 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Regulierungen Investitionen schaden könnten.

66 Prozent hielten hohe Steuern für eine Ursache der Investitionszurückhaltung, 65 Prozent die Energiekosten. Mit 43 Prozent nannten etwas weniger Unternehmen die Fachkräftelage als Hindernis, gefolgt von 42 Prozent, die Klimaziele in Form von Dekarbonisierung aufführten. Für die Manager gibt es aber auch gute Gründe, sich hierzulande zu engagieren, etwa den großen Absatzmarkt (45 Prozent) und die Rechtssicherheit (44 Prozent). Allerdings: Die negativen Einschätzungen, heißt es vom IW, seien insgesamt „sehr viel ausgeprägter als die positiven Wertungen“.

Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, den Standort Deutschland und Immobilien.

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