Karben (Hessen) – Die Krise ist vorbei, aber sie hat Spuren hinterlassen: Der Möbelhersteller König + Neurath AG hat sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung planmäßig abgeschlossen. Damit kehrt die Traditionsfirma in den regulären Geschäftsbetrieb zurück. Doch der Neustart hat seinen Preis!
Etwa 130 Mitarbeiter sind nach der Insolvenz nicht mehr an Bord. Von zuvor rund 830 Beschäftigten bleiben künftig noch ca. 700 Personen in dem Unternehmen aus Karben in Hessen. Nachdem das Gericht den Insolvenzplan bestätigt und das Verfahren aufgehoben hat, läuft der Betrieb wieder normal. „Das ist ein wichtiger Meilenstein und schafft eine deutlich stabilere Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens“, sagt Patrick Heinen, Vorstand der König + Neurath AG, zu BILD.
Was auf die Mitarbeiter zukommt
Aber auch die verbliebenen Mitarbeiter müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. Konkret: Die Sonderzahlungen werden gekürzt. Zudem werden tarifliche Erhöhungen verschoben. Der Chef der Möbel-Firma: „Uns ist bewusst, dass dies für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine erhebliche Belastung bedeutet. Der Beitrag der Belegschaft war Teil eines ausgewogenen Sanierungskonzepts.“
Zur Neuaufstellung gehören laut Unternehmen schlankere Abläufe und Maßnahmen, die den Betrieb leistungsfähiger machen sollen. Möglich sei das, weil Gesellschafterfamilie, Finanzierungspartner, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zusammengehalten haben. Die Gesellschafterfamilie bekenne sich mit der Sanierung zum Standort: „König + Neurath steht seit über 100 Jahren für Qualität made in Germany.“
Möbelindustrie in der Krise
Was waren die Gründe für die Pleite? „Die Büro- und Objektmöbelbranche befindet sich seit längerer Zeit in einem tiefgreifenden Wandel“, so der Vorstand. Dazu gehören „ein zurückhaltenderes Investitionsverhalten vieler Kunden“, „hoher Wettbewerbs- und Margendruck“ sowie „gestiegene Kosten“.
Insgesamt steckt die gesamte deutsche Möbelindustrie seit Jahren in der Klemme, denn immer mehr Konsumenten verschieben ihre Käufe – und Neuaufträge werden seltener erteilt.