Der Streit um den neuen Film von Kultregisseur Uwe Boll hat nun auch ein weltweites Millionen-Publikum erreicht: „Citizen Vigilante“ mit Armie Hammer ist für 48 Stunden auf der Plattform X frei abrufbar.
Zuvor hatte sich der Regisseur mehrfach darüber beklagt, dass sein Film, in dem ein Mann zur Selbstjustiz greift, von der deutschen Prüfstelle FSK keine Altersfreigabe, sondern lediglich das Prüfkennzeichen KK (keine Kennzeichnung) erhalten hat. Da die üblichen Einstufungen (ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren) hier dann nicht greifen, wird die Zahl der Zuschauer automatisch eingeschränkt. Unter anderem, weil der Film deshalb weder im Kino noch über Streamingdienste, im Handel oder im Fernsehen angeboten oder öffentlich beworben werden darf.
Zweimal war Boll die Altersfreigabe in unabhängigen Prüfverfahren verweigert worden, wie WELT bereits berichtete. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) begründete ihre Entscheidung vor allem damit, dass der Film Selbstjustiz propagiere und damit eine problematische gesellschaftliche Wirkung entfalte. Zusätzliche Kritik entzündete sich an einer besonders kontroversen Gewaltszene.
Hier die Handlung in Kurzform: Ex-Soldat Sanders (Armie Hammer) nimmt das Gesetz in die eigene Hand, nachdem er vom Justizsystem mehrfach enttäuscht wurde. Er startet einen brutalen Rachefeldzug gegen kriminelle Einwanderer sowie korrupte Staatsbeamte und wird durch im Internet geteilte Videos schnell zu einem Social-Media-Star.
Boll verteidigt sich …
Boll selbst hatte die eingeschränkte Freigabe seines Films in Stellungnahmen und Interviews, unter anderem mit der „Berliner Zeitung“, verteidigt. Dort führte er aus, dass seine Hauptfigur nicht verherrlicht werde. Vielmehr sei Sanders ein „egoistischer und sehr reicher Geschäftsmann, der quasi aus Langeweile anfängt, die Justiz in die eigenen Hände zu nehmen“, schrieb Boll. Das Gewaltlevel sei mit Filmen wie „John Wick“ oder „Equalizer“ vergleichbar. In dem Zusammenhang sprach er auch von „Zensur“ und einer politisch motivierten Entscheidung.
WELT-Autor Dennis Sand kommt übrigens zu einem anderen Urteil: „,Citizen Vigilante‘ ist nicht einmal ansatzweise ein guter Film. (…) Die gezeigte Brutalität hat keine Botschaft, sie ist einfach nur Brutalität der Brutalität wegen. ,Citizen Vigilante‘ ist das, was ein Film niemals sein sollte: banal“, schreibt er.
Bei der Zensurfrage kam dann Elon Musk ins Spiel, der seine Plattform X explizit als freien Debattenraum versteht. Er teilte am Donnerstag kommentarlos – und offenbar mit dem Einverständnis des Regisseurs – die Komplettfassung des Films. Aktuell ist „Citizen Vigilante“ noch online und wurde (Stand Freitagfrüh) von fast zehn Millionen Menschen aufgerufen und mehr als 40.000 Mal von Nutzern geteilt.
… und hat auch eine Botschaft für Donald Trump
Boll selbst hatte sich laut der „Berliner Zeitung“ auch direkt an Elon Musk gewandt, und hatte am Montag an die Adresse des US-Milliardärs geschrieben: „Es ist auch ein Film gerade für Sie. Sehen Sie ihn sich an. Er ist gegen alle in der Filmindustrie gerichtet und zeigt die Verbrechen von Migranten in Europa und dass wir in einer existenziellen Krise sind – genau wie Sie es schon die ganze Zeit sagen.“
In seiner jüngsten Videobotschaft adressierte Boll dann nach Elon Musk auch noch US-Präsident Donald Trump. In dem Clip, der am Freitag online gestellt wurde, bot der Filmregisseur dem US-Präsidenten an, einen zweiten Teil von „Citizen Vigilante“ zu drehen. Der Film würde sich dann auf die Verhältnisse in den USA beziehen und die, Zitat Boll, „unglaublich falsche Migrationspolitik in Europa und den USA“ anprangern, die Trump bereits seit Jahren und zu Recht kritisiere.