Wolnzach – Deutschlands Hopfenbauern schlagen Alarm: Der Durst nach Bier sinkt weiter, die Felder werden kleiner und immer mehr Betriebe geben auf. In diesem Jahr ist die Anbaufläche um knapp sechs Prozent (1101 Hektar!) geschrumpft, wie der Hopfenpflanzerverband in Wolnzach mitteilte. Damit bleiben nur noch 17.861 Hektar übrig. Die Hoffnung der Branche: die Fußball-WM in Nordamerika. Kann sie den Trend stoppen?
Der Druck auf die Hopfenbauern steigt deutlich: 62 Betriebe haben aufgegeben, nur noch 904 Hopfenpflanzer gibt es in Deutschland, teilt der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V. mit. Dabei ist Hopfen hierzulande weit mehr als ein Nischenprodukt: Die Anbaufläche ist zwar klein im Vergleich zu Weizen oder Mais – trotzdem stammt mehr als ein Drittel der weltweiten Hopfenproduktion aus Deutschland. Damit bleibt die Bundesrepublik weltweit führend, noch vor den USA und Tschechien.
Doch die Realität im Bierglas sieht anders aus: In vielen Industrieländern geht der Bierkonsum seit Jahren zurück. Nach Daten der japanischen Großbrauerei Kirin wurden 2024 weltweit rund 194 Milliarden Liter Bier getrunken, zuletzt aber mit stagnierender Tendenz in vielen Kernmärkten.
Jahr mit WM besser als eines ohne
Kann die Fußball-WM die Wende bringen? Die Erwartungen in der Branche sind gedämpft: Der Deutsche Brauer-Bund stellte im Vorfeld der WM klar, dass große Turniere längst kein Selbstläufer mehr sind. Zwar schaffen Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika „zusätzliche Konsumanlässe“, doch die Effekte bleiben begrenzt. Viele Spiele laufen wegen der Zeitverschiebung in Deutschland nachts oder früh am Morgen, zudem werden vielerorts kaum noch große Public-Viewing-Flächen aufgebaut.
Ein Sommermärchen wie 2006 erwarten Branchenkenner nicht. „Aber natürlich ist ein Jahr mit WM besser als ein Jahr ohne WM“, sagt Niklas Other vom Getränke-Branchendienst „Inside“.
„Die Leute halten ihr Geld zusammen“
Trotzdem: Große Euphorie bleibt aus. Die westfälische Brauerei Veltins meldet bislang kaum zusätzliche Bestellungen. „Die Leute halten ihr Geld zusammen“, heißt es. Eine Ausnahme ist Bitburger, seit 2025 wieder offizieller Bierpartner des DFB. Vertriebschef Sebastian Ellies sagt: „So eine WM ist eine große Plattform mit vielen Emotionen. Fußball und Bier gehen da gut zusammen.“ Zunehmend wichtig werden auch alkoholfreie Sorten, die bereits „deutlich mehr als 10 Prozent des Absatzes“ ausmachen und weiter stark wachsen.
Denn: Im fünftgrößten Biermarkt der Welt stehen alkoholhaltige Sorten seit Jahren unter Druck. Selbst die Heim-EM 2024 mit vielen trinkfreudigen Fans aus den Gastländern konnte den Absatz nicht stabilisieren. Im Vergleich zum ohnehin schwachen Vorjahr sank der Inlandsabsatz damals um weitere 2,0 Prozent auf 6,8 Milliarden Liter, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. 2025 ging es erneut um knapp 6 Prozent nach unten. Der Abwärtstrend wirkt damit so unaufhaltsam wie das Brauereisterben.