Berlin - Schluss mit Arbeiten unter Palmen! Während in vielen Bundesministerien auch Jahre nach der Corona-Pandemie großzügige Homeoffice-Regeln gelten, zieht das erste Haus nach einer BILD-Recherche nun die Reißleine: Das Bundesgesundheitsministerium schafft die umstrittene „Mallorca-Regel“ ab. Bedeutet konkret: Beschäftigte dürfen künftig nicht mehr aus dem europäischen Ausland mobil arbeiten.
Im Gesundheitsministerium von Nina Warken (47, CDU) will man sich nichts vorwerfen lassen. Dort will man die „Mallorca-Regel“ streichen – und zwar unverzüglich. Eine Sprecherin zu BILD: „Die neue Dienstvereinbarung zur Arbeitszeit und zum Arbeitsort des Ministeriums wird zeitnah in Kraft treten.“ Und weiter: „Die mobile Arbeit wird dann außerhalb von Dienstreisen ausschließlich im Inland möglich sein.“ Weiterhin erlaubt: Bis zu 60 Prozent Homeoffice.
Nach BILD-Recherchen gestatten die Regeln in den Ministerien zwischen 40 und 100 Prozent Homeoffice. UND: Auch im Haus von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) hat man die Brisanz der Lage erkannt, überprüft ebenfalls die Homeoffice-Regeln.
Eine Sprecherin zu BILD: „Zu Abstimmungsprozessen im BMI über hausinterne Regelungen, wie z. B. eine Dienstvereinbarung, erteilt das BMI keine Auskünfte.“ Im Innenministerium ist mobiles Arbeiten bislang zu maximal 60 Prozent erlaubt, aber nur aus Deutschland. Inwiefern die Quote verändert wird, ließ das Ministerium offen.
Laxe Bestimmungen in Ministerien
Die von Spöttern „Mallorca-Regel“ genannte Vereinbarung war in den vergangenen Jahren in zahlreichen Bundesministerien eingeführt worden. Sie erlaubte Beschäftigten, ihre Arbeit zeitweise auch aus anderen EU-Staaten zu erledigen. Kritiker bemängelten, dass der Staat seinen Mitarbeitern damit Freiheiten einräume, die in vielen Unternehmen längst wieder eingeschränkt wurden. Brisant: Im Verteidigungsministerium sind Mitarbeiter bislang ausdrücklich nicht mal „an einen fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz gebunden“.
Die Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der die Politik von den Bürgern mehr Leistungsbereitschaft fordert. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hatte gesagt: „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes nicht erhalten.“