Abu Falah, Westjordanland – Eine US-Journalistin der „Washington Post“ wurde im Westjordanland von radikalen israelischen Siedlern angegriffen und erlitt schwerste Verletzungen. Aufnahmen zeigen den brutalen Angriff: Maskierte Siedler schlagen mit Stöcken auf Fotografin Heidi Levine (63) ein und treten sie, als sie bereits am Boden liegt. Dabei trägt die Journalistin gut sichtbar die Aufschrift „Press“ (dt.: Presse) auf ihrer Kleidung.
Die Folgen sind heftig: Laut der Nachrichtenagentur AP brach sich Levine, die vor Ort über die jährliche Olivenernte berichtete, eine Rippe und vier Wirbel. An einer Hand wurde ein Finger so schwer verletzt, dass der Knochen freilag. Levine selbst schilderte aus dem Krankenhaus, sie sei zu Boden gestoßen und immer wieder getreten worden. Ihre Schutzweste und ihr Helm hätten sie womöglich vor noch schwereren Verletzungen bewahrt.
Die israelische Polizei und Armee haben Ermittlungen aufgenommen. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (76) verurteilte laut „Times of Israel“ die Gewalt ausdrücklich. Gleichzeitig betonte Netanjahus Büro, dass die Fakten noch nicht abschließend geklärt seien. Nach der Darstellung der Regierung sollen rund 200 Araber und linksgerichtete Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden haben. Aufnahmen zeigten demnach Gewalt von beiden Seiten.
Israels US-Botschafter fordert Konsequenzen
Die Darstellungen der Beteiligten widersprechen sich dabei. Zeugen berichteten, Siedler hätten eine Gruppe palästinensischer Olivenbauern überfallen und hätten Steine mit Schleudern auf sie geschossen. Ein Siedlerrat wiederum behauptet laut „Times of Israel“, Israelis seien zuvor mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden.
Trotz der unklaren Lage fordert Israels Botschafter in Washington Konsequenzen. Botschafter Jechiel Leiter (67) sagte dem Fernsehsender CNN, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Habe Israel bei der Verfolgung jüdischer Gewalttäter bislang nicht ausreichend gehandelt, müsse man es künftig besser machen.