Madrid – Tausende Demonstranten, überall im Land Protestaktionen und der Ruf nach einem Generalstreik: In Spanien entlädt sich der Zorn über explodierende Mieten und fehlenden Wohnraum. Während der große Demonstrationszug in Madrid friedlich verlief, kam es in Valencia zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei.
In Madrid zogen am Samstag vier große Demonstrationszüge zur Plaza de Cibeles. Hinzu kam eine fünfte Gruppe aus dem Protestcamp an der Puerta del Sol. Tausende Menschen ließen symbolisch ihre Schlüssel klimpern und riefen: „Keine Menschen ohne Wohnung, keine Wohnungen ohne Menschen.“ Der Mieter-Verband spricht von 500.000 Teilnehmern.
Die Mietverbände verlangen eine Halbierung der Wohnkosten, unbefristete Verträge und die Enteignung von Wohnungen bestimmter Investoren. In mehr als 50 Städten gibt es Aktionen. Über allem stand das Motto: „Auf dem Weg zum Generalstreik“.
Verbandssprecherin Valeria Racu erklärte laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE, der Streik solle „bald“ kommen. Einen Termin gebe es noch nicht, Gespräche mit den großen Gewerkschaften liefen bereits. Racu griff die Gegner der gescheiterten Wohnungsdekrete an. Vorgesehen waren unter anderem Mietobergrenzen, Vertragsverlängerungen, Beschränkungen für Investmentfonds und Steuervergünstigungen. Doch die Mehrheit der Oppositionsparteien stimmte dagegen. Der linken Regierung wirft Racu hingegen jahrelange Untätigkeit vor.
Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte vor einem „immensen“ Schaden. Die konservative PP hält dagegen: Nicht staatliche Eingriffe, sondern mehr Neubauten seien die Lösung.
Zwangsräumung von Seniorin als Auslöser
Zum Symbol der Bewegung wurde die 87-jährige Rollstuhlfahrerin María del Carmen Abascal. Ein Immobilienfonds hatte ihre Wohnung 2018 erworben, wollte erst mindestens 2650 Euro pro Monat Miete haben, reduzierte die Forderung später auf 1650 Euro. Aber das übersteigt die Rente der Mieterin um 300 Euro. Die Seniorin zahlte weiterhin ihre 500 Euro Miete, bis sie nach 70 Jahren am 23. September geräumt wurde – und die Proteste begannen. Offenbar mit einem ersten Erfolg: Die Seniorin soll in ihre Wohnung zurückkehren dürfen.
In Valencia eskalierte die Lage am Palau de les Arts, wo am Samstag ein Immobilienkongress stattfand: Demonstranten durchbrachen Absperrungen, einige gelangten ins Gebäude. Die Polizei setzte Gummigeschosse sowie Rauch- beziehungsweise Tränengas ein. Ob es Verletzte gab, ist noch nicht bekannt. Besonders groß soll der Protest in L’Hospitalet bei Barcelona werden. Dort gab es zuletzt zwei Suizide im Zusammenhang mit Zwangsräumungen.