Paris – Plünderungen, verletzte Sicherheitskräfte, ein einstürzender Rathausturm – die ausgeuferten Krawalle vom Wochenende setzen Frankreich unter Schock! Selbst für ein Land, das Randale eigentlich gewohnt ist (Gelbwesten, Bauern, Banlieues), erreicht die Zerstörung ungeahnte Ausmaße – und die Wut auf die politische Klasse wächst.
„Frankreich wurde gedemütigt! Es handelt sich um eines der größten Sicherheitsversagen in der Geschichte des Landes“, schimpfte Jordan Bardella (31) beim konservativen TV-Sender Cnews. Er ist der Parteichef des rechtsnationalen Rassemblement National von Marine Le Pen, die bei der Präsidentschaftswahl (18. April und 2. Mai 2027) antreten will.
„Ein ganzes Wertesystem in Rauch aufgegangen“
Doch nicht nur Wahlkämpfer reagieren mit so harten Worten. Selbst die etablierte Klasse hinterfragt plötzlich die Politik Frankreichs der letzten Jahrzehnte. Die linksliberale Traditionszeitung Le Monde schreibt von einem „surrealistischen Abend der Gewalt“ (Samstag) in Paris.
Noch härter schreibt sein konservativ-liberales Pendant, die 200 Jahre alte Zeitung Le Figaro (mainstream-konservativ). In einem Kommentar rechnet es mit der politischen Klasse Frankreichs ab, inklusive ihres Präsidenten Emmanuel Macron (48).
Credo: Mit den Krawallen sei ein schon lange schwelender Kulturkampf entbrannt. „In den Flammen dieses schwarzen Tages ist ein ganzes Wertesystem in Rauch aufgegangen“, schreibt Figaro-Kommentator Vincent Trémolet de Villers. Er klagt die Politiker der Mitte an, diese Untriebe zugelassen zu haben. „Unter der Asche liegen Jahrzehnte der Feigheit, des Konformismus und der Blindheit“, schreibt er.
Haben Politiker der Mitte versagt?
„Wenn es der Ultralinken, Kriminellen und Plünderern gelingen kann, Frankreich innerhalb weniger Stunden ins Chaos zu stürzen, dann vor allem deshalb, weil eine technokratische, von sich selbst berauschte Monarchie systematisch sämtliche moralischen, sicherheitspolitischen, kulturellen und wirtschaftlichen Schutzmechanismen abgetragen hat, die eine Gesellschaft zusammenhalten.
Dass Macron der Polizei mangelnde „Empathie“ gegenüber Randalierern vorwirft, die sie mit Schrauben, Pflastersteinen oder Feuerwerkskörpern angreifen, beschreibt der Figaro als historischen, „unauslöschlichen Makel“ seiner Präsidentschaft.
„Die nützlichen Idioten tragen Keffiyeh und Krawatte“
Er meint: das Kuschen vor den Linksextremisten. De Villers schreibt von einer „politischen Führungsschicht – jene Schattierungen des Sozialismus, die uns seit fünfzehn Jahren regieren –, die sich durch Leichtsinn und Blindheit, wenn nicht gar durch Komplizenschaft schuldig gemacht hat.“ Und weiter: „Die nützlichen Idioten von Jean-Luc Mélenchon tragen das Keffiyeh, aber auch die Krawatte.“ Mélenchon ist der Parteichef der linksextremen „La France Insoumise“, mit Keffiyeh ist das karierte Palästinensertuch gemeint.
Der Figaro nennt eine lange Liste des Versagens als Grund für die aktuelle Gewalt: • eine „Kultur, die jegliche Autorität verachtet“; • historische, soziale und kulturelle Ressentiments, „die revolutionäre Impulse befeuern“ würden; • eine Justiz, „die gegenüber Straftätern nachsichtig, gegenüber anständigen Bürgern jedoch unerbittlich ist“; • das Ausbleiben von Folgen für die Krawallmacher bzw. „das unverständliche Privileg linksextremer Milizen, die ungestraft zerstören, brandschatzen und töten“; • „eine unkontrollierte Einwanderung, deren ein Teil sich gegen das Land auflehnt, das ihn aufgenommen hat“. • Und: „ein „Bildungssystem, das den Verstand vernebelt“.