Nürnberg – Wenn Tobias Heß (20) morgens zur Arbeit geht, hat er keinen Fußball dabei. Dafür einen dicken Schlüsselbund. Der Jungprofi des 1. FC Nürnberg ist Hausmeister an der Grundschule in Pilsach (nahe Neumarkt in der Oberpfalz). Kehren, zusammenschrauben, reparieren – all das gehört zu seinem Alltag.
37 Kilometer weiter sieht sein Leben völlig anders aus. Am Sportpark Valznerweiher trägt der Außenverteidiger das Trikot des FCN, trainiert mit den Profis und hört auf die Anweisungen von Weltmeister Miroslav Klose (48). Anfang August wurde aus dem Nachwuchs- ein Zweitliga-Spieler. Im Heimspiel gegen Dynamo Dresden (3:0) durfte Heß nach einer herausragenden Vorbereitung erstmals Zweitliga-Luft schnuppern.
Wie kommt er zum Hausmeister-Job?
Sein Vater Stefan spielte früher selbst in der Bayernliga für den ASV Neumarkt. Heute ist er Bürgermeister von Pilsach. Als der Sohn 16 war, schlug der Vater ihm ein Praktikum als Hausmeister an der Grundschule vor. Tobias bewarb sich und bekam die Stelle. Und ist bis heute geblieben.
Die Eltern Martina und Stefan sind seit vielen Jahren eingefleischte Club-Fans. Bei der Einwechslung ihres Sohnes gegen Dresden kamen ihnen die Tränen. Ihr Sohnemann auf dem Rasen blieb dagegen entspannt. „Ich war gar nicht so sehr aufgeregt. Ich habe mich einfach gefreut, dass ich vor den eigenen Fans auf den Platz durfte“, erzählte Heß jüngst im Gespräch mit der „Mittelbayerischen Zeitung“. Als Klose ihm zum ersten Mal die Hand gab, war das für den bodenständigen Oberpfälzer „schon etwas Besonderes“. „Du spürst die Aura, wenn er vor dir steht.“
Nach seinem Debüt gegen Dresden spielte er zuletzt wieder für die U23 in der Regionalliga Bayern. Auf seinen beiden Lieblingspositionen ist die Konkurrenz sehr groß. Mit Eric Porstner (19) und Tim Janisch (21) leben zwei weitere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ihren großen Traum.
Umso spannender, wie es für den „Hausmeister-Profi“ weitergeht. Sein Vertrag läuft im Sommer 2027 aus. Gleich mehrere Zweitliga-Klubs sollen bei Familie Heß bereits vorgesprochen haben. Zwar hält Klose große Stücke von Heß, doch es soll noch keine Gespräche mit dem Rechtsfuß über eine Vertragsverlängerung gegeben haben.
„Der FCN ist mein Verein“
Schlechte Karten dürften die FCN-Bosse bei dieser Club-Familie im Zweifel sicher nicht haben. Heß zu seiner Zukunft in der „Mittelbayerischen Zeitung“: „Der FCN ist mein Verein. Ich werde hier alles geben und mich voll hineinhauen.“ Und wenn der Fußballtraum doch einmal Pause macht? Dann gibt es ja immer noch die Schule und den Schlüsselbund in Pilsach.