Berlin – Der Anteil ausländischer Häftlinge steigt weiter. 27.000 Menschen ohne deutschen Pass saßen 2026 in deutschen Gefängnissen – das sind fast 50 Prozent! 2015 lag die Quote noch bei etwas mehr als 30 Prozent. Die Strafvollzugsgewerkschaft schlägt Alarm: Sprachbarrieren machen Resozialisierung nahezu unmöglich.
2026 machten Ausländer rund 45 Prozent aller Gefängnisinsassen aus, wie eine Auswertung der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zeigt. Sie bezieht sich auf Daten aller 16 Landes-Justizminister. Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft werden in der Statistik als Deutsche gezählt. Insgesamt befanden sich zum Stichtag im März 2026 rund 60.400 Menschen in Haft.
Regional gibt es starke Unterschiede: In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen liegt der Ausländeranteil bei über 50 Prozent. Die höchsten Quoten aber haben die Stadtstaaten Berlin (58,9 Prozent) und Hamburg (57,95 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern (25,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (23,69 Prozent) und Thüringen (23,24 Prozent) hat hingegen nur jeder Vierte keinen deutschen Pass.
Der Bund der Strafvollzugsbediensteten warnt vor einer Überforderung der Anstalten. Bundesvorsitzender René Müller sagt der „NOZ“: „Die Kollegen können kaum noch resozialisieren, dringen immer schlechter zu den Insassen vor.“ Der Grund: Mangelnde Deutsch-Kenntnisse.
Gefahr der Radikalisierung bei Muslimen
Das Aggressionspotenzial nehme infolge der Verständigungsprobleme zu. Dazu steige das Risiko, dass sich Subkulturen bildeten und Männer muslimischen Glaubens sich im Gefängnis radikalisierten.
„Wir brauchen dringend mehr Personal, um Situationen besser im Blick behalten zu können – und Gruppen auch zu separieren“, fordert Müller. Es dürfe nicht sein, dass manche Häftlinge bei Entlassung krimineller sind als bei Haftantritt. Viele Gefängnisse schlagen außerdem aus einem anderen Grund Alarm: Ihr Platz reicht für die Häftlinge nicht mehr aus, viele Anstalten sind überbelegt.