Der BND soll unser Land vor fremden Mächten beschützen. Seit dieser Woche müssen sich die Menschen in Deutschland fragen, ob bei unserem Auslandsgeheimdienst auch Leute arbeiten, die unser Land verraten und verkaufen: Ex-BND-Chef August Hanning (80) sitzt als möglicher Landesverräter in U‑Haft. Mit ihm sein mutmaßlicher Zuträger, der den Dienst erst in diesem Jahr als Pensionär verließ.
Die Bundesanwaltschaft, Deutschlands oberste Anklagebehörde, wirft Hanning „landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit“ vor. Der Mann, der den Bundesnachrichtendienst (mehr als 6000 Mitarbeiter) von 1998 bis 2005 leitete und danach jahrelang als Spitzenbeamter für die innere Sicherheit Deutschlands zuständig war, steht selbst unter schwerem Spionage-Verdacht!
Es ist ein Geheimdienst-Skandal, einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Dabei war Hannings Festnahme am Dienstag in seinem Wohnort im Kreis Steinfurt (NRW) das Ergebnis eines Zufallsfundes – und hängt ausgerechnet mit den ebenfalls spektakulären Entführungsvorwürfen gegen die Steakhaus-Erbin Christina Block (53) zusammen. Fahnder des Hamburger LKA hatten bereits im September 2025 Wohn- und Geschäftsräume des Ex-Geheimdienstchefs durchsucht, weil sie glaubten, er könne in die versuchte Entführung der Block-Kinder aus Dänemark verwickelt sein.
Ermittler fanden 2000 interne Dokumente des BND
Bei dieser Durchsuchung machten die Ermittler einen spektakulären Fund: Sie entdeckten rund 2000 interne BND-Dokumente, darunter auch solche mit der Einstufung „geheim“. Von da an übernahmen Bundesanwaltschaft und BKA die Ermittlungen – und stießen auf Hannings ehemaligen Büroleiter Manfred D. (64, inzwischen auch in U-Haft), der bis Februar 2026 noch beim BND arbeitete. Und seinen Ex-Chef offenbar fleißig mit Geheimunterlagen versorgte. Die soll Hanning dann „fremden Mächten“ (im Raum stehen Aserbaidschan und China) zum Kauf angeboten haben.
Hannings Motiv? Offenbar Geldnot! Nach BILD-Informationen steckt der Ex-BND-Chef tief in den Miesen, seine Luxus-Pension von rund 11.000 Euro wird bereits gepfändet. Auslöser war die Pleite der lettischen Bank PNB Banka, bei der Hanning im Aufsichtsrat saß und für die Insolvenz haftbar gemacht wurde. Da könnte die Versuchung groß gewesen sein, Geheimwissen zu versilbern.
Hannings Anwalt Leon Kruse räumte inzwischen ein, dass sein Mandant im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen sei. Allerdings sei der Vorwurf der Bundesanwaltschaft unzutreffend, Hanning „habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben. Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt“. Hanning selbst drohen bis zu 10 Jahre Haft.
Sonderkontrolle beim BND
Sollte sich der Verdacht gegen Hanning aber bestätigen – der Bundesnachrichtendienst hätte wohl den schwersten Skandal seiner Geschichte. Schon jetzt werden deshalb Konsequenzen gefordert.
Gegenüber BILD kündigt der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (50, CDU), an, „unverzüglich“ eine Sonderkontrolle beim BND („Ad-hoc-Kontrolle“) durchzuführen: „Ergänzend zu den strafrechtlichen Ermittlungen müssen die genauen Umstände aufgeklärt und ein Beitrag geleistet werden, strukturelle und organisatorische Defizite abzustellen.“