Budapest (Ungarn) – Erst waren sie ein Symbol für den Luxus im Umfeld von Ex-Regierungschef Viktor Orbán – jetzt geraten 17 Zebras auf dem Anwesen der Orbán-Familie ins Visier der Behörden. Ungarns neuer Umweltminister László Gajdos (63) kündigte am Freitag Ermittlungen an und spricht von „völligem Chaos“ bei der Haltung der Tiere.
Begonnen hatte alles als skurrile Geschichte: Ende 2024 wurden auf einem Gelände zwischen Bicske und Hatvanpuszta im Westen Ungarns Zebras gefilmt. Das luxuriöse Anwesen gehört offiziell Orbáns Vater. Die exotischen Tiere wurden schnell zum Symbol für Luxus und Vetternwirtschaft im Umfeld des damaligen Regierungschefs. Bei regierungskritischen Demonstrationen tauchten fortan regelmäßig Zebra-Plakate und Zebra-Kostüme auf.
Der neue Umweltminister wirft den bisherigen Haltern schwere Versäumnisse vor. Die Akten offenbaren ein „völliges Chaos“, so Gajdos. Von insgesamt 17 Zebras seien zeitweise nur zehn offiziell registriert gewesen, berichtet „Daily News Hungary“. Für zahlreiche Tiere fehle ein Herkunftsnachweis, viele Dokumente seien offenbar erst nachträglich erstellt worden. Zum Teil sollen notwendige Genehmigungen gar nicht beantragt worden sein. Ein Zebra namens „Tihamér“ sei laut Minister erst nach seinem Tod in den Unterlagen aufgetaucht.
Drei Tiere sind im Winter erfroren
Doch nicht nur die Unterlagen werfen Fragen auf. Nach Angaben des Ministers konnten drei Zebras im Winter ausbrechen, weil Zäune das Gelände nicht ausreichend gesichert hätten. Die Tiere seien erfroren. Ihre Kadaver sollen anschließend unzulässig entsorgt worden sein. Gajdos spricht von „verantwortungsloser Tierhaltung“ und kündigt weitere Ermittlungen an.
Offiziell gehören die Tiere nicht der Familie Orbán. Sie sind im Besitz der Jagdgesellschaft „Vál-völgye Vadásztársaság“, hinter der der Unternehmer Lőrinc Mészáros steht. Der Milliardär gilt als langjähriger Vertrauter Orbáns und stieg während dessen Amtszeit zu einem der reichsten Männer Ungarns auf.
Nach der Wahlniederlage Orbáns im Frühjahr hat die neue Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar (45) mehrere Untersuchungen zu möglichen Missständen aus der Orbán-Ära eingeleitet. Die Zebra-Ermittlungen sind jetzt Teil dieser Aufarbeitung.