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England: Skandal um Hochstapler erschüttert Elite-Uni Cambridge

England: Skandal um Hochstapler erschüttert Elite-Uni Cambridge
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London – Er wurde als Vorzeigebeispiel für Aufstieg durch Bildung gefeiert und war der jüngste schwarze Professor in der über 800 Jahre alten Geschichte der altehrwürdigen britischen Uni Cambridge. Doch offenbar war der Lebenslauf von Soziologie-Professor Jason Arday komplett erlogen!

Seine Lügen-Liste ist lang – allein schon seine behaupteten Leistungen außerhalb der Wissenschaft hätten aufhorchen lassen müssen:

• So behauptete er, in 35 Tagen 30 Marathon-Strecken gelaufen zu sein – neun davon trotz eines Risses im Oberschenkel. Ein anderes Mal sei er in sechs Tagen 600 Meilen (965,6 km) quer durch Großbritannien gelaufen, nur 50 Meilen (80,47 km) weniger als der bisherige Weltrekordhalter.

• Mit den Läufen habe er 5,5 Millionen Pfund für wohltätige Zwecke eingesammelt, behauptete er. Nun korrigierte er sich: Er habe nicht 6, sondern 12 Tage für den Lauf gebraucht, und das Geld habe er nicht allein, sondern mit 100 weiteren Spendern eingesammelt – von denen er aus Datenschutzgründen keinen einzigen nennen könne.

Ähnlich liest sich die Lügen-Liste seiner akademischen Leistungen:

• Arday behauptete jahrelang, das Buch „Being Young, Black and Male“ (dt. „Jung, schwarz und männlich sein“) veröffentlicht zu haben. Bis jemandem auffiel, dass es nicht existiert – kein Verlag, kein Manuskript, nichts. Ein zweites Werk führte er auf seiner Homepage als „veröffentlicht“ auf, obwohl es nie fertiggestellt wurde, korrigierte die Angabe später mal in „erscheint bald“, mal in „geplant für 2030“.

• Einen Master-Abschluss in „psychodynamischer Beratung“ von der Uni Birkbeck will er erworben haben – frei erfunden.

• Er schmückte sich mit dem Titel „Honorarprofessor“ der englischen Uni Durham – die Hochschule dementierte.

• Gastprofessuren an der Uni Glasgow, der Ohio State University und der Nelson Mandela University in Südafrika will er bekleidet haben – alle drei Institutionen widersprechen ihm öffentlich.

• Und dann ist da noch der schwerste Vorwurf, über den er letztlich stürzte: In seiner Doktorarbeit sollen mehr als 180 Passagen nahezu wortgleich aus der Arbeit einer anderen Studentin übernommen worden sein.

Ideologie zählte wohl mehr als Leistung

Wie konnte ein Mann mit einem derart löchrigen Lebenslauf an eine der begehrtesten Professuren der Welt kommen? Offenbar zählte für viele seiner Unterstützer Ideologie mehr als Leistung. Die Dekanin seiner Fakultät, Prof. Hilary Cremin, erklärte in einem Interview 2023 freimütig, man habe bei der Berufung Ardays „auf die Stimmen unserer schwarzen Gelehrten und Studierenden gehört“ und ihn darum eingestellt.

Als vor zwei Wochen die Plagiatsvorwürfe auftauchten, stellte sich die Uni zunächst hinter ihren Professor und behauptete, seinen Lebenslauf geprüft zu haben. Etwaige Fehler in seiner Dissertation seien mit seiner Biografie zu erklären: Arday sei Autist, habe erst mit elf sprechen und mit 18 lesen und schreiben gelernt.

Selbst die Polizei wollte Fragen unterbinden

Die Vorwürfe wurden als rechte Kampagne gebrandmarkt, 17.000 Akademiker-Kollegen aus den Geisteswissenschaften unterschrieben eine Petition zu seiner Unterstützung. Erst als auch der „Guardian“ über ihn recherchierte und die Uni Cambridge doch Ermittlungen aufnahm, trat Arday zurück – aufgrund des „unerträglichen öffentlichen Drucks“, ohne Schuldeingeständnis.

Doch auch die Polizei spielte eine unrühmliche Rolle: Ein Journalist der Zeitschrift „Times Higher Education“ (THE), der die Vorwürfe akribisch recherchierte, wurde wegen einer Beschwerde Ardays von Scotland Yard kontaktiert. Die Polizei forderte ihn auf, den Professor nicht mehr zu kontaktieren, da dies dessen „psychische Gesundheit“ gefährde. Dabei hatte Grove lediglich sachlich nachgefragt, gestützt auf einen 63-seitigen Plagiatsbericht.

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