Bremen – Nach dem Mord an einem jungen Ehepaar am Freitagnachmittag ist Brandon Sami Caglar (22) auf der Flucht. Seit Samstag fahnden die Ermittler öffentlich mit einem Foto nach dem Killer. Dass von dem aggressiven, jungen Mann mit einem Faible für Tarnklamotten und Waffen eine erhebliche Gefahr ausgeht, zeigte sich schon bei einem Polizeieinsatz vor zwei Monaten.
Mittwoch, 22. April, 0.30 Uhr: In der Wohnsiedlung an der Lobbendorfer Flur im Bremer Stadtteil Vegesack zerreißen Knallgeräusche die nächtliche Stille. Von seinem Wohnungsfenster aus ballert Caglar mit seinem Luftgewehr herum, verschießt offenbar kleine Metallkugeln.
Beunruhigt verständigt ein Anwohner die Polizei. Die Bewohner des Viertels schildern den Beamten, dass das schon seit ein paar Tagen so geht. Und sie deuten an, woher die Schüsse kommen.
Er bedroht Polizisten mit selbstgebautem Bajonett
Als die Polizisten auf die Parterre-Wohnung von Brandon Caglar und seiner Mutter zusteuern, türmt der ertappte 22-Jährige aus dem Fenster seines Zimmers. Er läuft davon, versteckt sich etwa 200 Meter entfernt in einem Gebüsch vor den Beamten. Als sie ihn finden, geht Caglar in den Angriffsmodus.
In Camouflage-Kleidung baut sich der Militär-Freak vor den Polizisten auf. An seinem Luftgewehr hat er ein Messer befestigt, das er als eine Art Bajonett verwendet – und Stichbewegungen in Richtung der Beamten macht.
Auf die bedrohliche Situation reagieren die Polizisten professionell: Mit einem Taser setzen sie den Angreifer außer Gefecht. Doch der ist längst nicht friedlich, beißt einem Beamten bei der Festnahme in die Hand. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung stellen sie u.a. noch einen Schlagstock und eine Gaspistole sicher.
Psychiater sehen keine konkrete Gefahr
Aufgrund seiner schrillen Kostümierung und seines bizarren Verhaltens bringen die Beamten den 22-Jährigen vorsorglich zur Untersuchung in eine Psychiatrie. Doch die Fachmediziner halten den Waffen-Freak in Pseudo-Uniform für geistig gesund. Polizeisprecher Nils Matthiesen auf BILD-Anfrage: „Dort wurde entschieden, dass keine psychische Erkrankung beziehungsweise keine Fremdgefährdung vorliegt, die eine Unterbringung rechtfertigt. Er musste daher wieder entlassen werden.“
Brandon Caglar richtet Blutbad an
Während das Ermittlungsverfahren u.a. wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und tätlichen Angriffs auf Polizisten noch gegen ihn läuft, richtet Brandon Caglar ein Blutbad an. Seine Opfer: Dennis T. (40) und dessen Ehefrau (35), die mit ihrem Kind (2) in der Etage über Brandon Caglar wohnen.
Mit einer selbstgebauten Stichwaffe soll er zuerst die junge Frau im Keller des Mehrfamilienhauses erstochen haben, dann ihren Mann. Dennis T. verblutete auf dem Gehweg vor dem Grundstück. Zurück blieb das Kleinkind des Paares in der Wohnung. Es soll sich nun in der Obhut von Verwandten befinden.
Nun setzen die Ermittler ihre Hoffnungen darauf, dass die Öffentlichkeitsfahndung Wirkung zeigt und jemand den Doppelmörder erkennt und meldet. Sie warnen ausdrücklich: Brandon Sami Calgar gilt als gewalttätig und gefährlich. Wer ihn sieht, soll ihn nicht ansprechen, sondern sofort die Polizei über den Notruf 110 verständigen. Für Zeugenhinweise steht auch ein Hinweisportal der Polizei Bremen zur Verfügung.