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Die coolste Disney-Prinzessin segelt wieder übers Riff

· Culture

Wer ist cooler als Elsa? Viele Mädchen, die für den Hype um „Die Eiskönigin“, der eine ganze Generation von Kindern „völlig unverfroren“ in einem Merchandising-Blizzard kommerzialisiert hat, etwas zu jung sind (wofür die entsprechende Elterngeneration dankbar sein kann), beantworten die Frage eindeutig mit: Vaiana!

Und recht haben sie. Die junge Polynesierin, die ihre dem Untergang geweihte Insel retten will, ist die Protagonistin des gleichnamigen Disney-Animationsfilms aus dem Jahr 2016. Und sie ist nicht nur so cool, wie bei 35 Grad im Palmenschatten möglich, sondern gleichzeitig auf so lässige Weise warmherzig, wie es ein Disney-Star nur sein kann.

„Vaiana“ hat so ziemlich alles, was Disney im besten Fall gelingt, nämlich ein Märchen mit historischen bis exotischen Versatzstücken modern zu erzählen und das auch noch als Musical: Der „Vaiana“-Soundtrack von Lin-Manuel Miranda hat praktisch keinen schwachen Song und sicher mit dazu beigetragen, dass der im Original „Moana“ genannte Film auch an der Kinokasse erfolgreich war und weltweit mehr als 640 Millionen Dollar einspielte.

Kein Wunder also, dass „Vaiana“ bald als Kandidat dafür gehandelt wurde, von Disney als „Live Action“ recycelt zu werden. So nennt die Produktionsfirma ihre Reihe von Remakes, für die Zeichentrickklassiker oder digital animierte Blockbuster mit echten Schauspielern und an (teilweise) realen Schauplätzen neu verfilmt werden. Und so geschah es.

Die bewährte Coming-of-Age-Geschichte wurde in der Regie von Thomas Kail eins zu eins beibehalten: Vaiana wächst als Tochter des Häuptlings eines polynesischen Stammes auf der Insel Motonui im Pazifik auf. Sie fühlt sich dem Meer verbundener als ihr besorgter Vater (John Tui), der stets warnt, über das die kleine Insel umgebende Riff hinauszufahren. Vaianas als verrückt verschriene Oma (Rena Owen) bestärkt sie dagegen in der Sehnsucht, schließlich seien ihre Ahnen einst mutige Ozeanreisende gewesen und keine ängstlichen Kokosnussbauern.

Als die ersten Kokosnüsse faulig schwarz aus den Palmen fallen und immer mehr Hibiskusblüten am Stängel verdorren, keimt in Vaiana die Gewissheit, ihr Volk aus der Misere herausführen zu müssen. Im Meer findet die 16-Jährige das Herz der Göttin Te Fiti, einen geheimnisvoll leuchtenden Stein, und beginnt damit ihre Reise – nun über das Riff hinaus und hinein in die Mythen Polynesiens.

Schuld an dem ganzen Übel ist nämlich der Halbgott Maui, der Te Fiti das Herz stahl, woraufhin diese sich in das Lavamonster Te Ka verwandelte, dessen schlechter Feueratem das Paradies zerstört. Vaiana bricht auf, um Maui zu finden und ihn zu überzeugen, ihr bei der Weltrettung zu helfen. Doch der Halbgott hat vor allem mit sich selbst zu tun …

Der Plot traf im Jahr 2016 einen Nerv, verband er doch den immer dringlicher werdenden Naturschutz mit der Mythologie einer Pazifikregion, die in der westlichen Perspektive lange ein blinder Fleck war. Vor zehn Jahren vermieden es die Drehbuchautoren, die aktuellen Themen mit woken Parolen zu überfrachten. Auch acht Jahre später beim Realfilm-Remake – gedreht wurde 2024 – besann man sich darauf. Die Produktion beruht auf Recherchen etwa im Museum Te Papa in Wellington und anderen neuseeländischen Institutionen.

Für die Kostüme und das Set-Design fuhr man nach Samoa und arbeitete mit polynesischen Handwerkern zusammen. Vaianas Heimat Motonui entstand im Laufe von fünf Monaten auf einer Farm außerhalb von Atlanta, Georgia. Zum Bau des Dorfes wurden nach historischen Vorbildern fünf riesige Hütten errichtet und über 250 Kokospalmen gepflanzt. Live Action eben – auch wenn die glamourös performende Riesenkrabbe Tamatoa doch nur digital in Szene gesetzt werden konnte.

Die Hauptbotschaft des Films kommunizieren – wie im Original – aber die Charaktere Vaiana und Maui selbst. In der Realverfilmung werden sie von der Australierin Catherine Laga’aia, die im Ensemble von 200 Darstellern aus dem pazifischen Raum ein überzeugendes Schauspieldebüt gibt, und Dwayne „The Rock“ Johnson verkörpert. Letzterer hat selbst samoanische Wurzeln, lieh dem selbstverliebten Halbgott bereits im Animationsfilm die Stimme und spielt nun muskelbepackt und im Tattoo-Suit mit angemessener Selbstironie.

„Vaiana“ ist und bleibt – mit neu eingespielten Fassungen der Originalsongs – die bezaubernde, Disney-pathetische, aber (fast) kitschfreie Geschichte von Selbstermächtigung, jugendlicher Durchsetzungskraft und dem unerschütterlichen Glauben daran, dass man manchmal weiter hinausfahren muss, als die Erwachsenen es erlauben.

„Vaiana“ läuft ab dem 10. Juli 2026 im Kino.