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Deutsche-Bank-Chef Sewing: „Wir müssen an den Kündigungsschutz ran!“

Deutsche-Bank-Chef Sewing: „Wir müssen an den Kündigungsschutz ran!“
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Er hat die Deutsche Bank umgedreht. Er hat sie aus dem Minus wieder zu Rendite geführt, nach Skandalen neues Vertrauen geschaffen und aus großen Risiken Sicherheiten gemacht: Christian Sewing (56) ist seit achteinhalb Jahren Chef des größten deutschen Bankhauses, fast so lange wie früher der so schillernde und umstrittene Josef Ackermann (78).

Heute sei die Deutsche Bank wohl effizienter und arbeite profitabler, sagt Sewing selbstbewusst, als wir ihn zum BILD‑Gespräch treffen – zehn Minuten früher als geplant: „Ich lege schon Wert auf Pünktlichkeit. Ich hasse es, wenn Meetings zu spät kommen“, so Sewing. Er putzt noch fix seine Brille, dann sprechen wir – natürlich – über Geld.

Sewing rechnet damit, dass die Rentenreform große Wirkung zeigen werde, wenn die Regierung sie wirklich unverändert verabschiede. Und wir fragen den Bank-Chef: Lässt sich unser Land so sanieren wie die Deutsche Bank?

Christian Sewing: Deutschland ist natürlich komplexer als die Deutsche Bank. Aber ich glaube, wir können dieses Land reformieren. Dafür braucht es neben einem klaren Fokus und einem guten Team auch eine klare Kommunikation. Dass wir die schmerzlichen Nachrichten, die damit einhergehen, ehrlich kommunizieren, aber dann auch den Ausblick geben, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. (...) Wir müssen zum Beispiel darüber nachdenken, ob wir diese Dinge noch subventionieren können, die wir heute subventionieren.

Stichwort Tankrabatt?

Ja, Tankrabatt. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich bin kein Fan davon. Ich glaube nicht, dass uns der Tankrabatt auf Dauer helfen wird. Weil ich glaube, dass sich diese Situation, die wir im Mittleren Osten haben, nicht morgen erledigen wird. Wenn Sie sehen, was das monatlich kostet, wenn Sie sehen, wo wir sowieso schon in der Staatsschuldensituation sind, dann können wir nicht einfach immer obendrauflegen.

Weniger Subventionen also! Was müssen wir noch ändern?

Wir müssen die Bürokratie substanziell zurückfahren. Wir müssen wieder zu dem Vertrauensstatus kommen und sagen, wenn ich etwas beantrage und es wird innerhalb von drei oder vier Monaten nicht beantwortet, gilt es als genehmigt. Diese Dinge müssen wir jetzt machen. Und ich befürchte, wir müssen auch an Dinge ran, die uns natürlich alle lieb geworden sind: Das ist Kündigungsschutz! Und nicht, weil ich die Leute nicht schützen möchte. (...) Aber wir sind einfach in so einer schnelllebigen Welt, dass wir viel flexibler denken müssen. Das bedeutet auch, man muss die Möglichkeit haben, schneller zu reagieren. Da ist der erste Schritt richtig gemacht worden, dass der Kündigungsschutz eingeschränkt worden ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über 180.000 Euro verdienen. Wir müssen das etwas weiter nach unten ziehen.

Hat unser Land denn für all dies das richtige „Team“?

Wir haben ehrlicherweise eine Regierung, die schon erkannt hat, was zu tun ist. Ich glaube allerdings, in der Umsetzungsgeschwindigkeit und auch in der Konsequenz müssen wir besser werden. Und wir dürfen uns auch nicht immer auf Kompromisse einlassen.

Wie gefährlich ist die aktuelle politische Gemengelage für Investitionen und das Vertrauen in Deutschland?

Das ist ein erhebliches Risiko für Deutschland, und das sollte man auch nicht kleinreden. Ob es Sachsen-Anhalt ist hinsichtlich der AfD, oder ob es die Vorgänge sind hier in Berlin: Das ist alles andere als wirtschaftsförderlich, und das ist alles andere als investitionsfreundlich. Gerade in den letzten zwei Wochen nach den letzten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und gerade nach der Diskussion der möglichen Enteignungen in Berlin haben viele ausländische Investoren angerufen und gesagt: Was bedeutet das für Gesamtdeutschland? Von daher ist diese Entwicklung brandgefährlich. Und umso mehr müssen wir darauf achten, dass wir aus der demokratischen Mitte heraus Reformen für Wachstum setzen. Das ist die einzige Antwort, die wir haben, auf die Rechts- und Linksextremen, die wir in diesem Land haben.

Zum Jahreswechsel kommt das neue „Altersvorsorgedepot“: eine Aktien-Vorsorge mit staatlicher Förderung. Macht das die wackelige Rente wieder sicher?

Das ist eine Reform, wo ich der Bundesregierung ausdrücklich gratulieren möchte. Wenn sie so kommt! Da ist das Altersvorsorgedepot drin, da ist die Frühstartrente drin, da ist aber auch die kapitalmarktgedeckte Rente drin. Das wird zur Folge haben, dass wir endlich aus diesen reinen Umlagefinanzierungen rauskommen. Und dass wir sogar eine Chance haben, wenn die Menschen es nutzen, dass wir einen hohen dreistelligen Betrag monatlich mehr an Rente erwirtschaften und unsere Rente auch im Staatsdefizit deutlich besser ausgestellt ist. Ob das Produkt Altersvorsorgedepot oder die gesamte Rentenreform, wie sie vorgeschlagen ist: Mein größtes Petitum an die Bundesregierung ist, sie genauso durchzusetzen, wie sie gekommen ist. Jede Verwässerung ist schwierig, darf nicht passieren.

Und wie sollen wir Geld für unsere Kinder oder Enkelkinder anlegen, damit es denen gut geht?

Auf jeden Fall nicht einseitig und nicht nur auf dem Sparkonto. Wenn Sie sich die langfristigen Entwicklungen ansehen, dann ist eine Wertpapieranlage das Richtige. Sie muss breit gestreut sein. Sie dürfen nicht in eine Abhängigkeit kommen von einem bestimmten Wert, von einer bestimmten Branche. Wir Deutschen müssen uns die Angst vor Aktien nehmen. Ich würde einen guten Anteil an Aktien in meinem Portfolio haben!

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