Reutlingen – Schwäbische Ingenieurskunst machte diesen Betrieb einst zum Weltmarktführer für Strickmaschinen. Die H. Stoll AG & Co. KG in Reutlingen schaffte es 150 Jahre lang, der Konkurrenz immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Doch die Billig-Textilindustrie aus Fernost brachte erst viele Kunden des Maschinenbauers in Bedrängnis – und dann auch Stoll selbst. Jetzt haben die Chinesen das Traditionsunternehmen gekauft.
„Der vorgesehene Umfang umfasst unter anderem die Marke Stoll, ausgewählte Materialbestände sowie spezifische technologische Assets“, schreibt die Karl Mayer Gruppe in einer Mitteilung auf ihrer Unternehmensseite über den Deal. Der Mitbewerber aus Obertshausen (Hessen) hatte 2020 den Betrieb aus Reutlingen (Baden-Württemberg) gekauft und im Oktober 2025 geschlossen. Die Stuttgarter Zeitung hatte damals berichtet, Stoll habe im Jahr davor Verluste gemacht und – ausgerechnet – unter der Billigkonkurrenz aus China gelitten.
Das ist zur Übernahme bekannt
Wegen einer strategischen Neuausrichtung u. a. hin zu Maschinen für technische Stoffe in der Autoindustrie (Fahrzeugsitze, Airbags, Dachhimmel) habe die Gruppe „eine Vereinbarung zur Übertragung ausgewählter Vermögenswerte“ unterzeichnet, heißt es in der Erklärung zur Übernahme. Unternehmenssprecherin Ulrike Schlenker bestätigt gegenüber BILD, dass damit auch „ausgewählte Immobilien in Reutlingen“ an Cixing verkauft wurden. Was die Chinesen mit den Gebäuden vorhaben, ist bisher unklar.
Wer die Traditionsmarke gekauft hat
Neuer Eigentümer sei jetzt die Ningbo Cixing Co., Ltd., die zur Cixing-Gruppe gehöre. Diese ist nach eigenen Angaben weltweit einer der größten Hersteller von Strickmaschinen, etwa für Pullover. Das Unternehmen beschäftigt offenbar mehr als 1600 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in der ostchinesischen Provinz Zhejiang.
Wofür das Unternehmen berühmt war
In der zweiten Jahreshälfte sei auch die „Überleitung der Betreuung installierter Maschinen an die CIXING Group vorgesehen“, teilt die Karl Mayer Gruppe mit. Ein Verkaufspreis wurde nicht genannt. Der einstige Weltmarktführer Stoll wurde 1873 gegründet und war bekannt für seine sogenannten „knit and wear“-Maschinen (dt.: stricken und tragen), die mehrere Arbeitsabläufe vereinten – etwa das Stricken und Vernähen von Kleidung.