Berlin – Panzer, Drohnen, Raketenwerfer, Marschflugkörper: Die Bundeswehr kauft massiv ein. Aber kauft sie auch das Richtige? Eine Analyse der Denkfabrik EDINA hat die deutschen Rüstungsprojekte mit dem Nato-Plan gegen einen russischen Angriff abgeglichen. Das Ergebnis überrascht.
So soll Putin gestoppt werden
Die Nato-Strategie gegen Putin folgt einem Drei-Stufen-Plan. Erste Stufe: Russische Truppen aufhalten, binden und zerstören. Dafür braucht das Bündnis vor allem Panzer, Artillerie, Pioniere, Flugabwehr und Kamikaze-Drohnen. Zweite Stufe: Nachrückende Verbände möglichst früh entdecken und bekämpfen.
Dafür braucht es Sensoren, Drohnen und Raketenartillerie. Dritte Stufe: Bei weiteren Angriffen sollen Nachschubwege und Kommandozentralen weit hinter der Front getroffen werden, mit Marschflugkörpern und Schwärmen billiger Langstrecken-Drohnen.
Das Risiko: Die USA und ihre Luftkrieg-Strategie
Zuerst die schlechte Nachricht: Laut Analyse ist der Nato-Plan bislang stark von den USA abhängig. Helfen die Amerikaner in einem Krieg nicht, müsste Europa anders kämpfen. „Die Amerikaner wollen Kriege vor allem aus der Luft gewinnen“, sagt Mitautor Dr. Christian Mölling (53) zu BILD. „Wir Europäer müssen entscheiden: Machen wir das nach, oder finden wir unseren eigenen Weg?“
Dazu kommen Lücken. Es fehlt laut Analyse etwa beim Minenkampf. Noch wichtiger: Deutschland fehlen Einweg-Angriffsdrohnen mit großer Reichweite, dabei setzt die Nato in Stufe drei genau auf solche Drohnen.
Und dann bleibt noch eine große Unbekannte. Der Nato-Plan setzt darauf, einen russischen Angriff so hart zu treffen, dass Moskau ihn schließlich abbricht. Doch was passiert, wenn Putin trotz zerschlagener Nachschubwege nicht aufgibt? Dann könnte aus dem geplanten kurzen Abwehrkrieg ein langer Abnutzungskrieg werden.
Eigentlich läuft's – doch auch schnell genug?
Trotzdem kommt die Analyse zu einem überraschenden Ergebnis: Die deutschen Rüstungsprojekte passen weitgehend zu diesem Plan. Die Panzerbrigade 45 in Litauen wird unter anderem mit neuesten Panzern sowie Aufklärungs- und Kamikaze-Drohnen ausgerüstet. Eurofighter werden für den elektronischen Kampf umgebaut. Neue MARS-3-Raketenwerfer kommen. Für Angriffe weit hinter der Front entwickelt Deutschland mit Partnern den Marschflugkörper Taurus Neo, der bis 2029 fertig sein soll.
Mölling widerspricht deshalb der verbreiteten Kritik, die Bundeswehr kaufe am Bedarf vorbei. Das Problem ist laut dem Experten nicht, WAS Deutschland bestellt, sondern WIE SCHNELL es kommt. Sein Fazit: „Wir sind zwar zeitlich hinterher, aber der Plan passt.“